60. Geburtstag : Herzlichen Glückwunsch, Herr OB!

Seine 3000 bis 4000 Visitenkarten verbindet Oberbürgermeister Roland Methling alle mit Erlebnissen.
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Seine 3000 bis 4000 Visitenkarten verbindet Oberbürgermeister Roland Methling alle mit Erlebnissen.

Zu seinem Ehrentag schwelgt der parteilose Oberbürgermeister in Erinnerungen – viel lieber blickt er allerdings in die Zukunft

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08. März 2014, 10:00 Uhr

Beim Aufschließen der Wohnungstür deutet Roland Methling mit einem Lächeln im Gesicht auf die Baugrube neben seinem Haus in Gehlsdorf: „Mein Geburtstagsgeschenk ist noch in der Vorbereitung – da entsteht mein Tischtenniskeller.“ Seine Ehefrau Annegret steht – wie seit der Hochzeit 1977 – auch jetzt an seiner Seite. Sie fügt hinzu, dass dort nicht nur ein Tischtenniskeller entstehe, sondern ein ganzer Anbau mit Fahrstuhl. Ihre Mutter soll bald zu ihnen ziehen.

Es ist nicht mal 19.30 Uhr, als sich Roland Methling erst den Mantel und dann das Jackett abstreift und in den Schrank hängt. „Normalerweise bin ich nie vor elf oder halb zwölf hier“, sagt der Oberbürgermeister und schaut zu seiner Frau. Und auch danach gehe es häufig noch um die Arbeit. „Mein Mann arbeitet wirklich sehr gern, er ist ein richtiger Workaholic“, sagt die Zahnärztin. Wenn er aus dem Rathaus kommt, lassen sie den Tag noch einmal gemeinsam Revue passieren. Neben seiner Familie scheint es für Rostocks Oberbürgermeister vor allem einen wichtigen Treibstoff zu geben – es ist Kaffee. Auch jetzt gibt es noch eine Tasse, sein wievielter es an diesem Tag ist, kann er nicht sagen. Aber nach 22 Uhr sei definitiv Schluss mit Koffein.

Methling lehnt sich in seinen XXL-Sessel aus rotbraunem Leder zurück und erzählt von seiner Leidenschaft für den Sport: „Es gibt kaum einen Ball, dem ich früher nicht hinterhergelaufen bin.“ Er sei leidenschaftlicher Handballspieler gewesen, heute schaut er lieber den jungen Spielern des HC Empor zu und spielt – was auch sonst – gern Tischtennis. „Ein Sport für alte Herren“, sagt Annegret Methling lachend.

Dass er morgen seinen 60. Geburtstag feiert, nimmt Roland Methling ganz locker. Sonderlich nachdenklich mache ihn das nicht. „Es ist ein Geburtstag wie jeder andere“, sagt der Oberbürgermeister. Trotzdem beginnt er ein wenig, in Erinnerungen zu schwelgen. „Es war damals definitiv die richtige Entscheidung, in Rostock zu studieren“, sagt Methling, der in Tessin geboren wurde und seine Schulzeit in Schwerin verbrachte. Von 1972 bis 1976 studierte er Technische Kybernetik und Automatisierungstechnik. Mit dem Abschluss als Diplomingenieur öffneten sich für ihn die Tore zum Rostocker Seehafen, wo er von 1978 bis 1990 glückliche Arbeitsjahre verbrachte. „Ich habe dort sehr viel gelernt, unter anderem, dass am Ende jedes Tages ein Ergebnis stehen muss“, sagt Methling. Als er 1990 in die Stadtverwaltung wechselte, habe er das drei Monate lang bereut. „Der Seehafen war mein Zuhause“, sagt der heutige Chef der Stadtverwaltung. Ablenkung von seinem Heimweh habe er dann aber schnell gefunden – als Chef der Hanse Sail. „Es war wirklich ein tolles Gefühl, zu sehen, was aus dieser Idee geworden ist“, sagt Methling. Darauf sei er stolz. Bis heute markiert das maritime Großereignis für ihn einen Höhepunkt im Jahr. Von seiner Leidenschaft für Schiffe und Häfen kann auch seine Frau ein Lied singen. Viele Ausflüge seien ihr als Urlaube verkauft worden, in denen sich ihr Mann aber eigentlich um die Hanse-Sail-Einladungen gekümmert habe – selbst im fernen China.

Als Oberbürgermeister von Rostock hat Roland Methling in den vergangenen neun Jahren viele Erlebnisse gehabt. Während er darüber nachdenkt, holt seine Frau zwei gerahmte Fotos aus dem Flur. Sie zeigen ihren Mann mit Weltstars der Musik – mit Bono und Bob Geldof, die zum G8-Gipfel in Rostock waren. „Das waren wirklich ganz besondere Augenblicke“, sagt Methling. Eigentlich mache er sich nicht viel aus Fotos. Während andere Leute Alben mit Bildern füllen, um sich an Geschichten und Erlebnisse zu erinnern, füllt Roland Methling lieber Ordner mit Visitenkarten. „Es müssten mittlerweile 3000 bis 4000 sein“, sagt er. In vier großen Ordnern sind sie feinsäuberlich nach dem Alphabet sortiert. Beim Durchblättern der Seiten bleibt er immer wieder bei Namen stehen, zu denen ihm Geschichten einfallen. „Er hat ein Elefantengedächtnis“, sagt seine Frau.

Das Amt des Oberbürgermeisters hat Methling auch viele Reisen beschert. Und auch im Privaten war er in den vergangenen Jahren viel unterwegs. Gern erinnert er sich an seinen Ausflug nach Hawaii 2011 zu den Iron-Man-Weltmeisterschaften, an denen die Raelert-Brüder aus Rostock teilnahmen. „Ich kenne eigentlich gar kein Fernweh. Es kann auch eine Last sein, ständig von zu Hause weg zu sein“, sagt Methling ein wenig nachdenklich. Er sei schließlich ein richtiger Familienmensch, hat drei Kinder und mittlerweile auch drei Enkel. Daher waren viele Reisen des Ehepaars mit dem Zweck verbunden, ihre Kinder zu besuchen, die an verschiedenen Orten auf der Welt gelebt haben, unter anderem in St. Gallen, Peking oder Stockholm. Heute sind für das Ehepaar die Momente am wertvollsten, in denen die Familie vereint ist.

So wie an diesem Wochenende. Die ganzen Familie trifft sich heute in einem Hotel in Marlow. Geplant sind Kaffeetrinken, ein Ausflug in den Vogelpark, eine Kegel-Runde, Wellness-Programm und Abendessen. Morgen wird noch die Schwiegermutter besucht. Ob er sich nicht manchmal ein wenig mehr Freizeit wünscht? „Dafür ist bei der nächsten Null Zeit“, sagt Roland Methling lachend.

In seinen verbleibenden fünf Jahren als Oberbürgermeister der Hansestadt hat er noch viel vor. Die weitere Entwicklung des Stadthafens, die Umgestaltung des Neuen Marktes und der Warnemünder Mittelmole stehen ganz oben auf seiner Prioritätenliste. Dabei hat er stets seine ganz eigenen Vorstellungen und fühlt sich als Parteiloser nur der Stadt verpflichtet. Manchmal sei ihr Mann ein richtiger Sturkopf, sagt Annegret Methling. Das bekommen auch immer wieder seine Gegner zu spüren.

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