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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 20:38 Uhr

Herrentags-Schläger geht in Revision

vom

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2012 | 07:26 Uhr

Rostock | Mit zwei wuchtigen Schlägen hat er am Herrentag 2011 sein Opfer Knud H. (44) auf dem Warnemünder Bahnhof getötet - gegen das Urteil von vier Jahren und acht Monaten Haft hat Nils W. (25) jetzt Revision eingelegt. Entscheiden soll der Bundesgerichtshof. Zum konkreten Ziel des Revisionsantrages wollte sich Verteidiger Thomas Pennecke gestern nicht äußern. Allerdings hatte es schon vor Beginn des Prozesses am Landgericht Rostock reichlich Wirbel um vermeintliche Absprachen gegeben. Durch Äußerungen eines Verteidigers sei in den Raum gestellt worden, dass das Urteil schon vor Prozessbeginn festgestanden habe, hieß es.

Gleich am ersten Prozesstag reagierte das Gericht mit einer Erklärung: Der Vorsitzende Richter sagte, dass es auf Initiative der Verteidigung tatsächlich ein Gespräch am 21. November gegeben habe, an dem auch zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft sowie der Anwalt der Ehefrau des Opfers teilnahmen. Dort sei dem Angeklagten der rechtliche Hinweis erteilt worden, dass statt einer Verurteilung wegen Totschlags auch Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Beteiligung an einer Schlägerei in Betracht komme. Die Kammer habe aber zum Ausdruck gebracht, dass das nur eintrete, wenn der Angeklagte den tödlichen Schlag einräume und sich ein Tötungsvorsatz nicht nachweisen lasse.

Angeklagter gestand tödliche Attacke

Eine Tötungsabsicht des Angeklagten konnte dann im Prozess tatsächlich nicht nachgewiesen werden. Nils W. wurde am 31. Januar wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Die 3. Große Strafkammer befand ihn für schuldig, am 2. Juni 2011 gegen 16.30 Uhr auf dem Bahnsteig 3 in Warnemünde den Tod des Familienvaters Knud H. verursacht zu haben. Der Angeklagte war mit seinen gerichtsbekannten Freunden schon am Vormittag Alkohol trinkend und grölend durch Rostock gezogen und schließlich mit ihnen in Warnemünde gelandet. Mit einer älteren Männergruppe, die sich auf dem Nachhauseweg befand und zu der das spätere Opfer gehörte, kam es auf dem Bahnhof zu einer Rauferei. Laut Gericht ging der Streit von der Gruppe um den Angeklagten aus. Nachdem sich Knud H. schon zurückgezogen hatte, versetzte ihm Nils W. von hinten kommend zwei Schläge an Hals und Nacken, die einen Riss in der Halsschlagader und damit eine Gehirnblutung verursachten. Noch am selben Abend starb der 44-Jährige in einer Rostocker Klinik. Die gesamte Tat hatten Überwachungskameras am Bahnhof minutiös aufgezeichnet, weshalb es auch keinen großen Widerspruch des Angeklagten geben konnte. Er räumte in einer schriftlichen Erklärung ein, Knud H. die tödlichen Schläge versetzt zu haben. Bei der Familie des Opfers hatte er sich entschuldigt. Nils W. bot eine Entschädigung von 3000 Euro und weiteres Geld nach der Haftentlassung an. Beides wies die Ehefrau des Toten zurück.

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