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„Stephan Jantzen“ : Herrenlos – aber endlich zurück

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Societät nimmt sich des Eisbrechers an und holt ihn in den Stadthafen. Aufruf zum Wiederherrichten.

svz.de von
erstellt am 17.Sep.2014 | 10:00 Uhr

Mit ihren mehr als 67 Metern ist die „Stephan Jantzen“ schon von Weitem im Stadthafen zu sehen. Ein riesiger Koloss in einem karg besiedelten Hafen. Der Streit zweier vermeintlicher Eigner hätte sie fast zerrissen, sie wirkt verlassen wie ein Geisterschiff. Im Inneren ist zu sehen, was ihr die vergangenen Monate angetan haben. Die Eingangstür ist aufgebrochen, Diebe hatten sich auf der Suche nach Metall gewaltsam Zugang verschafft. Der rote Teppich in den Fluren ist zerschlissen, Räume sind geplündert. Akten, viele russischsprachig, liegen auf dem oberen Deck.

Der Eisbrecher wurde 1967 auf der Leningrader Admiralswerft gebaut. Zu DDR-Zeiten fuhren rund 100 Männer auf dem Schiff. Kabine reiht sich an Kabine. An der 19 steht „Enrico“. Der Raum ist karg, die Luken sind verschlossen. Davor weiße Spitzengardinen. Neben Erotik-Romanen und Krimis steht Sobols „Die Fürstin“ in einem Regal. Eine alte grüne Matratze liegt im Bett, eine Anweisung der Besatzung auf einem Tisch: Das Rauchen sei untersagt, aber man wünsche einen guten Aufenthalt und maritimes Flair.

Der Wachraum ist völlig zugemüllt mit Folien, Kleiderbügeln, Kisten, alter Bettwäsche und Stiefeln. Weiter in Richtung Reserveraum und Tauchlager wird es immer dunkler. Obwohl das Thermometer 19 Grad zeigt, wirkt es deutlich kühler. Nur wenige Räume sind Spiegel alter Zeiten, wie der rot eingerichtete Speisesaal. Er sieht aus, als wäre dort erst gestern eine Erbsensuppe aufgetischt worden. Die Brücke verströmt nostalgischen Charme. Ein Kompassableser der VEB-Schiffselektronik und das Steuerpult von 1967, eine UKW-Sprechfunkanlage und Schiffskarten von 1984.

„Wir müssen erstmal schauen, wie die Jantzen erhalten ist“, sagt Jochen Pfeiffer von der Societät Rostock maritim. Er lehnt an einem Stuhl. Seit November 2012 bewacht er das Schiff im Auftrag des Hafenkapitäns Gisbert Ruhnke. In Absprache mit ihm hat er es gestern um 10 Uhr von zwei Schleppern vom Liegeplatz 30 im Industriehafen zurückgeholt an Platz 83, den Stammplatz des Jantzen.

Baltic-Taucher sicherten es gestern. Von den beiden potenziellen Eigentümern keine Spur. Kai Gunther Lehmann und das Green Institute of Polar Environmental Research Inc. aus New York streiten sich vor Gericht, das nächste Mal im Dezember in Heidelberg. Sie hatten mündlich zugestimmt, dass der Eisbrecher zurück darf. Doch die schriftliche Bestätigung des Green Instituts blieb aus. Ruhnke und Pfeiffer handelten dennoch – im Sinne des Eisbrechers. Mit dem hat die Societät viel vor: Der Verein will ihn, wenn die Eignerfrage geklärt ist, für Besucher öffnen und seinen Sitz dort hinverlegen und gibt damit seine Hoffnung auf einen Sitz auf dem Traditionsschiff im Stadthafen auf. „Er wird ein Kulturschiff“, sagt Pfeiffer.

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