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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 15:01 Uhr

Heli-Pilot bangt um seine Existenz

vom

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erstellt am 28.Jun.2013 | 07:40 Uhr

Rostock | Eine ortsfremde Helikopter-Agentur könnte dem in Purkshof ansässigen Hubschrauberpiloten Peer Olaf Wagner (42) das Geschäft vermiesen. Die Agentur plant, einen saisonalen Helikopter-Landeplatz im Gewerbegebiet bei Neu Hinrichsdorf zu errichten. Von dort will sie Kreuzfahrtpassagieren Rundflüge anbieten. Von diesem Vorhaben ist Wagner überhaupt nicht begeistert: "Es ist kein einfaches Geschäft. Wir kämpfen schon jetzt damit, genug Fluggäste zu bekommen." Viele Jahre Arbeit, Nerven und Geld habe er in sein Luftfahrtunternehmen gesteckt, mit dem er sich in Rostock und Umgebung einen Namen gemacht hat. Einen neuen Mitbewerber kann er absolut nicht gebrauchen.

Die Idee der Konkurrenzagentur, Passagiere für Rundflüge über der Hansestadt zu begeistern, hat Wagner vor zwei Jahren längst in Angriff genommen. Ohne Erfolg: "Die Resonanz war gleich null." Über eine Schiffsagentur hatte der Geschäftsführer von Happy Air Kontakt mit einer amerikanischen Reederei aufgenommen. "Die haben unsere Rundflüge in ihren Flyern angeboten." Flüge über Rostock, entlang der Küste, nach Rügen oder Berlin standen auf dem Programm. Interessiert hat sich dafür kaum jemand.

Schiffspassagiere halten ihr Geld zusammen

Den Grund sieht der gebürtige Blankenhäger zum einen darin, dass Kreuzfahrttouristen, die bereits eine teure Schiffsreise gebucht haben, wenig Interesse an weiteren Ausgaben haben. Zum anderen wollen sie während ihres kurzweiligen Besuchs das Ostseebad lieber zu Fuß erkunden oder sie haben vorab eine Busreise in die Landeshauptstadt Berlin gebucht.

Überhaupt sei das Tourismusgeschäft sehr mager, so Wagner. Die 20-minütigen Rundreisen mit seinem Helikopter des amerikanischen Fabrikats Robinson R44 werden hauptsächlich von Einheimischen gebucht. "Zu Geburtstagen, zur Jugendweihe oder Zeugnisausgabe werden die Flüge gerne an den Nachwuchs verschenkt", sagt er. Am kommenden Wochenende ist er zudem in Grimmen beim Stockcar-Rennen. Für Foto- und Filmaufnahmen hebt Wagner seinen Helikopter ebenfalls in die Lüfte. Aber auch Ballonfahrten macht sein Unternehmen möglich. Begeistert ist der Berufspilot von der drohenden Konkurrenz überhaupt nicht. "Das Potenzial in Mecklenburg-Vorpommern ist einfach stark begrenzt", fügt er hinzu.

Er gibt dem Neuansiedler wenig Chancen auf Erfolg: "Die Menge an Kunden ist einfach nicht da." Von Touristen allein lasse sich seiner Meinung nach ein Hubschrauber-Unternehmen nicht am Leben halten. Zudem würden sich die neuen Piloten in dem Areal nicht so gut auskennen. Wagner weiß, an welchen Stellen er besser auf 600 Meter steigt, um weniger Lärm, der durch die Rotorblätter entsteht, zu verursachen. "Dazu gehören der Strand, die Innenstadt und auch die Vogelinsel am Breitling", sagt er. Der erfahrene Pilot kennt auch die Schnittstellen, an denen er Dörfer am besten umfliegen kann.

Seit 1991 ist Wagner Mitglied im Fliegerclub Purkshof. Angefangen hat er mit Segelflugzeugen, hat dann auf Motorflugzeuge umgesattelt. Seit 2005 ist er auch Hubschrauberpilot. Seine Lizenz zum Berufspiloten hat er zwei Jahre später in Portland im US-Bundesstaat Oregon erworben. Seitdem zeigt der 42-Jährige den Leuten, wie schön seine Heimat Mecklenburg-Vorpommern aus der Luft aussieht. Nun hofft Wagner, dass sich die Hansestadt Rostock, die mit der Hubschrauber-Agentur in Verhandlung steht, gegen den Landeplatz entscheidet.

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