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Warnemünde : Heinz Müller lebt seit 1951 im Haus Ilse

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Seine Lebensgeschichte ist mit Werft und Warnemünde verbunden

svz.de von
erstellt am 05.Apr.2014 | 10:00 Uhr

Die Lebensgeschichte von Heinz Müller gleicht in vielen Punkten denen von Menschen seiner Generation: „Wir haben Deutschland mit zerstört und wieder aufgebaut“, sagt der 89-Jährige. In seiner Biografie finden sich Jahre der Kriegsgefangenschaft in Sibirien. „Wir haben durch Krieg und Gefangenschaft unsere Jugend verloren“, sagt er.

Seit 1951 ist seine Geschichte mit der Warnow-Werft verbunden. Er hat Maschinenbau studiert und kommt in einer Zeit zurück, als das Verwaltungsgebäude und die Kabelkrananlage aufgebaut werden. Heute sieht er von seiner Terrasse noch den Kran mit der Aufschrift Warnow-Werft. „Wir waren beim schwierigen Aufbau beteiligt“, erzählt der rüstige Rentner. Er ist stolz, dass er in der Schweißabteilung mit solch fachlichen Koryphäen wie Uli Plötz gearbeitet hat. Er selbst hat den Spitznamen Schweiß-Müller bekommen, weil es dort sechs Kollegen mit dem Namen Müller gegeben hat. Sohn Thomas (60) hieß überall Dock-Müller, weil er im Dock gearbeitet hat. In Müller seniors Zeit sind von 1990 an 300 Schiffe von 22 Typen entstanden. „Das macht einen schon stolz“, sagt er.

Seit dem Beginn in Warnemünde lebt er an der gleichen Adresse. Haus Ilse steht an dem Haus in der Parkstraße, das einst der Schwiegermutter gehört hat. Trotzdem wohnten alle beengt, Christel und Heinz Müller lebten mit Sohn Thomas bis zu dessen 14. Geburtstag in zwei Zimmern. Auch von der Aktion Rose ist dieses Haus nicht verschont geblieben. „Meine Schwiegermutter kam zwar nicht ins Gefängnis, aber ihr wurde eine Geldstrafe wegen angeblicher Wirtschaftsverbrechen auferlegt.“

Es ist auch eine Adresse mit Geschichte: Aus den Grundbuchauszügen ist zu ersehen, dass kein Geringerer als der Bauherr Paul Korff die Bauzeichnungen angefertigt hat.

Was heute undenkbar ist: Die Hausbesitzer mussten sich bis zur Wende immer mit wenig Platz beschränken. Zeitweilig mussten dort Lehrlinge und später die Bau- und Hotelleitung vom Neptun dort leben.

Sohn Thomas Müller ist in einem Vier-Generationen-Haushalt im Haus Ilse aufgegewachsen. Heute bewundert er den Vater für die geistige und körperliche Frische. Am Dienstag wird NNN-Leser Heinz Müller 90 Jahre alt. Wenn er einen Wunsch äußern dürfte, betrifft der auch den Ort: „Es wäre schön, wenn am Passagierkai endlich wieder Sitzgelegenheiten auf die Mauer kommen – die fehlen.“

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