Uni Rostock : Heino als Objekt der Wissenschaft

<p>Aus alt mach neu: Ein gängiges Mittel in Literatur und Musik, wie Prof. Lutz Hagestedt (r.)erklärt. Seine Studenten sollen das am Beispiel Heino nachvollziehen.</p>
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Aus alt mach neu: Ein gängiges Mittel in Literatur und Musik, wie Prof. Lutz Hagestedt (r.)erklärt. Seine Studenten sollen das am Beispiel Heino nachvollziehen.

Literatur-Professor Lutz Hagestedt und der Volkskundler Christoph Schmitt nehmen den Schlager ins Visier

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29. September 2015, 12:00 Uhr

Von Luther bis Heino – diesen Bogen will ein Seminar am Institut für Germanistik in diesem Semester spannen. Dabei haben der Kirchenreformator und das Schlager-Phänomen auf den ersten Blick wenig bis gar nichts gemein. Literaturwissenschaftler Prof. Lutz Hagestedt macht trotzdem Parallelen aus. Denn am Beispiel Heinos will er seinen Studenten die Kontrafaktur näherbringen. Das ist eine Umdichtung, Verfremdung, das Kreieren einer neuen Version eines Musikstückes oder eben auch eines literarischen Textes.

Die Idee kam Hagestedt, als er auf Heinos CD „Mit freundlichen Grüßen. Jetzt erst recht“ aufmerksam wurde. „Ich fand es spannend zu fragen: Was hat Heino vorgefunden und was hat er daraus gemacht“, erklärt der Professor. Seine Studenten werden der Geschichte der Songs auf den Grund gehen und natürlich auch die Texte analysieren. „Sind die hohl oder doch eher intelligent“, bringt Hagestedt die Fragestellung auf den Punkt und verrät schon jetzt, dass sich einige durchaus anspruchsvolle darunter befinden.

Wissenschaft wäre das aber noch nicht, wenn nicht der Blick in die Literaturgeschichte Klarheit über die Tradition der Kontrafaktur bringen würde. Die ist nämlich seit Jahrhunderten ein beliebtes Mittel der Dichter wie auch der Musiker. „Zum Beispiel Luther hat weltliche Lieder und deren Lebensfreude mit kirchlichen Texten verbunden. Das hatte einen nicht unerheblichen Anteil am Erfolg seiner Reformation“, erklärt Hagestedt. Aber auch innerhalb der Literatur werde kopiert. „Literatur entsteht immer aus Literatur“, sagt der Professor. So zitieren Texte literarische Vorbilder, verwandeln Vorlagen in Parodien, machen aus einer Prosa ein Gedicht – die Bandbreite ist groß. Unterstützt wird Hagestedt bei seinem Seminar von Dr. Christoph Schmitt, Leiter des Instituts für Volkskunde. „Er wird einen Blick auf die Tradition der in Verruf geratenen Gattung Schlager werfen“, sagt Hagestedt. Im Allgemeinen sei damit das Vorurteil biederer Texte und simpler Melodien verbunden. „Aber es gibt sensationell gute Schlager“, so der Wissenschaftler. Ob die auch bei Heino zu finden sind, wird das Seminar zeigen.

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