Rostocker Denkmal : Heinkel-Mauer: Wiro startet Abriss

<p>Aus für die Heinkel-Mauer:  Der Abriss der  80 Meter langen und baufälligen Backsteinmauer hat heute begonnen. Die Bürgerschaft machte Anfang Dezember den Weg  dafür frei. </p>
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Aus für die Heinkel-Mauer:  Der Abriss der  80 Meter langen und baufälligen Backsteinmauer hat heute begonnen. Die Bürgerschaft machte Anfang Dezember den Weg  dafür frei.

Maßnahme zieht sich über mehrere Wochen hin. Erhaltenswerte Ziegel sollen für Erinnerungskultur am Standort gesichert werden.

svz.de von
08. Januar 2018, 21:00 Uhr

Eigentlich war es erst für nächste Woche geplant. Aber jetzt werden Fakten geschaffen: Die Wiro hat heute Früh mit dem Abriss der Heinkel-Mauer begonnen. „Das wird sich über mehrere Wochen hinziehen“, sagt Unternehmenssprecher Carsten Klehn. Bereits im Dezember war an der baufälligen Mauer ein Gerüst, Anfang Januar dann eine zehn Meter hohe Schutzwand aufgestellt worden. So kann auch während der Abbrucharbeiten die neben der Mauer verkehrende Straßenbahn uneingeschränkt fahren. „Die Schutz-Elemente wandern dann abschnittsweise mit“, sagt Klehn. Mit den Arbeiten ist eine Fachfirma aus Mönchhagen beauftragt.

Wie viel die Wiro für den Abbruch der Ziegelwand investieren muss, könne er derzeit noch nicht sagen. „Das hängt auch davon ab, was uns erwartet“, so Klehn. Bei früheren Diskussionen über Abriss oder Erhalt der Mauer war aber schon davon die Rede, dass sich die Kosten in die Hunderttausende belaufen, während der Wiederaufbau mit 1,5 Millionen Euro beziffert wurde.

Nach einem längeren Hin und Her zwischen städtischem Denkmalamt und Landesamt hat die Wiro im Mai die Genehmigung für den Abbruch des Denkmals erhalten. Da lief noch die Prüfung des Petitionsausschusses, der sich letztlich für den Erhalt aussprach – wie auch der Ortsbeirat KTV. Sein Antrag, den Abriss zu untersagen, wurde von der Bürgerschaft abgelehnt. Beiratsvorsitzende Anette Niemeyer (Aufbruch 09) hatte bei Stadt und Land Akteneinsicht beantragt und bis heute keine Antwort des Landes: „Das Amt wartet, bis Tatsachen geschaffen sind. Das erweckt den Eindruck, dass nicht korrekt gearbeitet wurde die Abrissgenehmigung betreffend. “

Auf dem ehemaligen Werftgelände will die Wiro zirka 700 Wohnungen bauen, sicherte in der Vergangenheit aber immer wieder zu, auch an die historische Bedeutung des Standortes zu erinnern: In den Werkstätten hinter der Heinkel-Wand an der Lübecker Straße wurden während des Zweiten Weltkrieges Flugzeugteile gebaut. Eine Idee des zuständigen Architekturbüros aus Wien sieht vor, zehn Meter hohe Stelen aus Corten-Stahl mit Schaukästen und Informationstafeln aufzustellen. Möglich sei auch, Steine von der jetzt abgebrochenen Wand in die künftigen Hausfassaden zu integrieren. „Deshalb werden Steine, die noch nutzbar sind, auf Paletten gesichert und eingelagert. Je nach Qualität der Ziegel kann dann eingeschätzt werden, was damit passiert“, so Carsten Klehn heute.

Kommentar "Kurzer Prozess" von Claudia Labude-Gericke

Zweimal in kurzer Zeit wurde jetzt mit historischen Bauten in der KTV kurzer Prozess gemacht. Sowohl beim alten Elisabeth-Heim in der Ulmenstraße als auch bei der Heinkel-Mauer haben die Bauherren Tatsachen geschaffen und schnellstmöglich den Abbruch vollzogen. Während bei der früheren Heilanstalt durch die Hausbesetzer tatsächlich Gefahr in Vollzug schien, war das Aus der Heinkel-Wand, wenn auch lange diskutiert, zumindest schon eine Weile beschlossen. Schade ist es trotzdem! Deshalb bleibt dringend zu hoffen, dass beide Bauherren bald eine weitere Gemeinsamkeit haben – indem sie in würdigem Maße an die verschwundenen Bauten erinnern.


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