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17. Oktober 2017 | 15:28 Uhr

Heiligabend zum Sommeranfang

vom

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2012 | 08:45 Uhr

Warnemünde | Ohne das Paket aus Warnemünde würde Siiri Wilkening aus Auckland an Heiligabend etwas fehlen. "Sonst ist nicht Weihnachten", sagt sie. Die 40-Jährige wünscht sich von ihrer Mutter Dietlinde Francke das, was man in ihrer neuen Heimat Neuseeland nicht bekommt: Dominosteine, Marzipankartoffeln und vieles, was für die Teilhaberin einer internationalen Akustik-Firma zu Weihnachten gehört. Sie lebt seit 1996 am anderen Ende der Welt, ursprünglich war sie gefahren, um ihr Englisch zu verbessern. Als sie den Sohn ihrer Gasteltern kennenlernt, wird daraus die große Liebe. Nach fünf Monaten heiraten die beiden, das Paar hat zwei Kinder: Sophia (14) und Wulf (11).

Für einen Braten ist es einfach zu warm

Weihnachten in Auckland ist das Gegenteil von dem in Deutschland, es ist ein normaler Arbeitstag. Trotzdem feiert die Familie es in deutscher Tradition. "Es hat Jahre gedauert, bis ich mich zu Weihnachten in Auckland zu Hause fühlte", sagt sie. Denn im Dezember beginnt dort der Sommer. Mit Gartenpartys statt Glühweinabenden.

In der Nacht vom 23. zum 24. Dezember schmückt Siiri mit ihrem Mann den Baum. Fichten gibt es nicht, es ist eine Art Kiefer, die bis an die Decke reicht und mit deutschem und neuseeländischem Schmuckt behängt wird. Die meisten Neuseeländer haben künstliche Bäume wegen der sommerlichen Temperaturen, aber der einstigen Warnemünderin würde der Nadelgeruch fehlen. Heiligabend oder am 1. Feiertag besucht die Familie einen Gottesdienst, entweder in der einzigen evangelischen Kirche oder sie gehen mit der Schwiegermutter in einen katholischen Gottesdienst. Nachmittags trudelt die Familie ein, Großeltern, Tanten, Onkel und Cousin. Bevor die allgemeine Bescherung beginnt, öffnen sie das Paket aus Warnemünde. Das ist ein feierlicher Moment, den die Familie für sich allein genießt. Dann folgt die familiäre Bescherung - mit luftigen Sommersachen und offenen Türen, damit eine Brise hereinweht. Die Pyramide dreht sich wegen des Luftzugs oft ohne Kerzen und die Thomaner singen deutsche Weihnachtslieder. Zum Abendbrot gibt es etwas Kleines, für schweres deutsches Essen ist es zu warm. Es gibt gemischten Salat, Brot und Käse, viel Obst und Eis. Wenn es gegen 21.30 Uhr dunkel wird, sieht man endlich die Weihnachtslichter. Das genießen Sophia und Wulf, denn als kleine Kinder konnten sie das nie sehen, weil sie eher ins Bett mussten.

Am 1. Weihnachtstag sind in Neuseeland alle Geschäfte geschlossen. Das ist übrigens der einzige Tag im Jahr, wo das so ist. Zeit für Besuche bei der Familie, bei denen oft gegrillt wird. "Manchmal gehen wir auch an den Strand. Es hat keinen Sinn, einen Braten zu machen, es ist zu warm", sagt Siiri. Eigentlich wird Weihnachten in Neuseeland am 25. Dezember gefeiert. Santa Claus bringt nachts Geschenke, die Kinder wecken ihre Eltern. "Das passiert uns zum Glück mit der deutschen Tradition nicht", sagt Siiri. Am 2. Weihnachtstag ist Boxing Day Sales - großer Umtausch, alles ist gesenkt. "Wir halten uns aus dem Trubel raus, genießen die Ruhe zu Hause", sagt Siiri. Da ihr wegen der Hitze die Gelegenheit fehlt, deutsche Weihnachtsgerichte zu kochen, veranstaltet sie jedes Jahr Mitt-Winter-Weihnachten mit Freunden und Familie. Ohne Baum, aber mit Glühwein, Braten und Weihnachtsgebäck - im Juli.

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