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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 06:53 Uhr

Mahnwache : Hebammen fordern Gehör

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Geburtshelferinnen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

von
erstellt am 06.Mai.2014 | 08:00 Uhr

„Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Urlaub hatte. Ich bin rund um die Uhr erreichbar, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr“, sagt Romy Urban. Dabei kratzt die Hebamme gerade einmal am Mindestlohn. Dennoch müssen die freiberuflichen Hebammen künftig 20 Prozent mehr für ihre Versicherung bezahlen. Damit steigen die Kosten für sie auf mehr als 6000 Euro im Jahr. „Wir müssen auch an unsere eigene Existenz denken. Der Hebammenberuf droht auszusterben“, so Urban. „Damit fallen Leistungen weg wie die Schwangerschaftsbegleitung oder die Geburtsvorbereitung. Es gibt keine Betreuung im Wochenbett oder in der Stillzeit, keine Rückbildungskurse und auch keine Familienhebammen mehr.“

Um dem entgegenzuwirken, haben sie und ihre Kollegin Claudia Süpner gestern auf dem Neuen Markt eine Mahnwache organisiert. Gekommen waren nicht nur Hebammen, sondern auch zahlreiche Eltern – so wie Sarah Wiczenko. Ihre Tochter, die vier Monate alte Milia, war eine Hausgeburt. „Claudia Süpner war meine Hebamme. Sie hat mich von Anfang an begleitet, wir haben eine freundschaftliche Verbindung aufgebaut. Ich bin ihr sehr dankbar“, so die junge Mutter. Selber darüber zu bestimmen, wie und wo ihre Tochter zur Welt kommen soll, war Wiczenko immer wichtig: „Es ist nicht egal, wie wir geboren werden.“

Bei der Mahnwache der Hebammen ging es nicht nur um die Forderung nach gerechteren Arbeitsbedingungen, sondern auch um den Kampf gegen die Diskriminierung der Frau. „Unser Bauch gehört uns. Wir sollten selbstbestimmt über ihn entscheiden können“, betont Claudia Süpner.

Mittlerweile gäbe es in ganz Mecklenburg-Vorpommern nur noch zehn freiberufliche Geburtshelferinnen. „Das ist zu wenig. Wir können die Geburtshilfe nicht verwehren, aber für die Vor- und Nachsorge einer Schwangeren und ihres Kindes mussten wir schon Frauen ablehnen“, so Süpner.

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