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22. November 2017 | 06:35 Uhr

Haus der DSF: Zeitzeugen gesucht

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erstellt am 29.Apr.2012 | 11:36 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Vergilbte Fotos, historische Zeitungsannoncen, Baupläne, Speisekarten und Gesprächsnotizen hat Jens Andrasch in den vergangenen zwei Jahren akribisch gesammelt. Sieben Aktenordner füllt das Material über das heutige Peter-Weiss-Haus, das die meisten Rostocker noch als Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft kennen. Doch das reicht Andrasch nicht. Er will alle Geschichten, die in den historischen Backsteinmauern stecken, entdecken und in seinem nächsten Buch erzählen. Dazu sucht er noch Zeitzeugen. Menschen, die von Wirten, Bauarbeiten oder außergewöhnlichen Veranstaltungen berichten können oder die noch alte, aufschlussreiche Bilder oder Postkarten des Hauses auf ihrem Dachboden haben. "Für manche sieht ein Bild nach einem ganz normalen Foto von einer Familienfeier aus. Ich kann daraus wichtige Details herauslesen", sagt der Hobby-Historiker. Sein Buch soll 2014 erscheinen, pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum des Hauses, das das drittälteste noch existierende Gastronomiegebäude in Rostock ist.

Die Brauerei- und Gastronomiegeschichte Rostocks hat es Andrasch seit seiner Jugend angetan. So sammelt der Stahlbauschlosser längst nicht nur alles zum Haus der DSF, das 1864 erstmals seine Türen öffnete - damals unter dem Namen Steinbecks Keller, als Ausschanklokal der gegenüberliegenden Brauerei. Von seiner Leidenschaft zeugen die Wände in seiner Wohnung. Sie zieren 250 historische Bierflaschen und etwa 50 Bierkrüge aus Rostock. Mehr als 6000 Bierdeckel vom Gebiet der ehemaligen DDR sind außerdem in Ordnern archiviert. "Das meiste finde ich auf Flohmärkten oder durch Sammlerfreunde", sagt Andrasch.

Bei seiner Beschäftigung mit dem Haus der DSF ist Andrasch schon auf jede Menge historische Dokumente aus dem 19. und 20. Jahrhundert und zirka 50 Zeitzeugen gestoßen - und damit auf spannende und kuriose Geschichten. In der Zeit als Mahn & Ohlerichs Keller hatte die Rostocker Burschenschaft Corps Visigothia lange ihr Kneipenzimmer in dem Gebäude. "1941 hat es dann sogar mal eine Geflügelausstellung im großen Saal des Hauses gegeben", erzählt Andrasch. "Zwei Wochen später wurde das aber von der Brauerei ausdrücklich verboten - wohl aus hygienischen Gründen." Auch andere Geschichten der Kriegs- und Nachkriegszeit hat Andrasch aufgearbeitet, von der Beschlagnahmung des Hauses durch die NSDAP im Jahr 1945 bis zur Enteignung nach dem Krieg. Das meiste Material hat er zum letzten großen Umbau zusammengetragen. "Zu DDR-Zeiten wurde das Haus der DSF komplett überholt. 1977 sollte es strahlend wiedereröffnet werden, zum 60. Jahrestag der Oktoberrevolution", berichtet Andrasch. Damals entstand das Wandgemälde der Sowjetunion vom Rostocker Grafiker Jochen Bertholdt. Den Originalentwurf hat der Autor inzwischen auch schon in die Hände bekommen. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich jemals wieder so intensiv mit der DDR auseinandersetzen würde", sagt der 48-Jährige. Wer sich noch an spannende Begebenheiten erinnert, Zeitzeugnisse aus der Geschichte der Gastwirtschaft hat oder Gesprächspartner kennt, kann sich bei Jens Andrasch melden. Telefon Jens Andrasch: 0171 / 36 55 77 5

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