Geflohener Straftäter in Rostock : Hat Ralf J. Fluchthelfer?

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Fahnder ermitteln im persönlichen Umfeld des geflohenen Straftäters. Landtag schaltet sich ein.

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11. März 2015, 21:15 Uhr

Tag drei der Flucht und noch immer keine Spur von Ralf J.: Hat der 49-Jährige doch Helfer im Hintergrund? „Wir prüfen seine Vita, um mögliche Bezugspersonen zu finden“, sagt Polizeisprecherin Dörte Lembke. Vor seiner Einweisung in die psychiatrische Klinik in Gehlsdorf hatte Ralf J. jahrelang in Rostock gewohnt, kennt die Stadt und mögliche Schlupfwinkel daher bestens.

Ob er sich allerdings überhaupt noch in Rostock aufhält, ist nicht bekannt. „Es gehen weiter jede Menge Hinweise ein“, sagt Lembke. Bis zum Vormittag sei die Zahl auf 80 angestiegen, die von den unterschiedlichsten Orten stammen. Demnach hätte es der Flüchtige innerhalb weniger Stunden bis nach Brandenburg beziehungsweise auf die Insel Fehmarn geschafft.

Bestätigt hat sich das nicht: „Wir haben ihn noch nicht“, so Lembke. „Wir suchen weiter.“ Gestern Morgen rückte kurzzeitig das Südstadtcenter in den Mittelpunkt. Eine Rentnerin, die Ralf J. dort gesehen haben wollte, hatte Alarm geschlagen. Ein Großaufgebot der Polizei riegelte sämtliche Ein- und Ausgänge ab, durchsuchte das Gebäude. Wieder ohne Ergebnis.

Die Klinik für Forensische Psychiatrie, in der derzeit insgesamt 80 vom Gericht verurteilte Straftäter therapiert werden, weist unterdessen Schuldzuweisungen zurück. Es habe keinerlei Anzeichen für ein erhöhtes Fluchtrisiko bei dem Patienten gegeben. Bei früheren Ausfahrten habe Ralf J. sich stets kooperativ verhalten. Neben den Hand- und Fußfesseln sowie zwei begleitenden Pflegern noch zusätzliche Sicherheitskräfte anzufordern, sei deswegen als nicht erforderlich angesehen worden – trotz der gewalttätigen Vorgeschichte des Patienten.

Zuletzt war er wegen eines brutalen Überfalls auf ein Rentnerpärchen in dessen Parchimer Wohnhaus zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Seine sechste Gefängnisstrafe. Weil Ralf J. zu diesem Zeitpunkt zudem unter Drogen-, Medikamenten- und Alkoholsucht litt, hatte das Landgericht Schwerin die Einweisung in die Psychiatrie angeordnet.

Forderungen, bei Ausfahrten aus der Forensischen Klinik grundsätzlich Polizisten als Bewacher einzuschalten, lehnt Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, ab. Er sagt: „Das können wir personell gar nicht leisten, wir sind am Rande der Belastbarkeit.“ Großfahndungen wie aktuell nach Ralf J. würden das Problem verschärfen: „Da kommen Einsatzstunden ohne Ende zusammen.“

Indessen beschäftigt der Fall nun auch die Landespolitik. Die Fraktionen von Grünen und Linken im Landtag wollen das Thema auf die Tagesordnung im Rechtsausschuss setzen. Auch CDU und SPD signalisierten, sich mit dem Vorfall zu beschäftigen. Das Justizministerium kündigte unterdessen an, den Fall gemeinsam mit der Forensischen Klinik aufzuarbeiten.

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