Aus dem Gerichtssaal : Hat Frauen-Duo psychisch Kranke geprellt?

Der Prozess vor dem Amtsgericht Rostock soll klären, ob die Kioskbesitzerinnen eine Bekannte geprellt haben.
Der Prozess vor dem Amtsgericht Rostock soll klären, ob die Kioskbesitzerinnen eine Bekannte geprellt haben.

Die beiden Kioskbesitzerinnen aus Rostock sollen ihr Opfer um 13 000 Euro betrogen haben. Monatelange Flucht beendet

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17. November 2015, 12:00 Uhr

„So etwas habe ich ja noch nie gesehen“, sagt ein Besucher im Foyer des Amtsgerichtes Rostock. Den Wartenden bot sich dort in der vergangenen Woche tatsächlich ein ungewöhnliches Bild: Vier Justizvollzugsbeamte begleiteten zwei junge Frauen auf ihrem Weg in den Gerichtssaal. Beide waren an den Füßen gefesselt und konnten sich nur in Tippelschritten vorwärts bewegen.

Bei ihnen handelt es sich um Karina P. (37) und Laura H. (28), die ehemaligen Betreiberinnen eines Zeitungskiosks in der Schillingstraße. Seit einer Woche müssen sie sich wegen Betruges verantworten. Sie sollen die 50-jährige psychisch kranke Rostockerin Simone K. um ihr ganzes Geld gebracht haben.

Die beiden jungen Frauen waren viele Monate auf der Flucht, hatten keinen festen Wohnsitz, nachdem sie wegen der Anklage ihre Zelte in Rostock abgebrochen hatten. Mehrere Staatsanwaltschaften bundesweit suchten nach ihnen. Jetzt wurden sie aufgespürt und wegen Fluchtgefahr in Haft genommen.

Karina P. und Laura H. betrieben den Zeitungsladen bis 2014. Simone K. wollte bei ihnen ein Schriftstück der Wiro kopieren lassen, so lernten sie sich kennen. Karina P. spricht von Freundschaft, die sich zwischen ihnen entwickelte. Sie und ihre Partnerin hätten die Idee gehabt, den Zeitungsladen zu einem Imbiss umzufunktionieren. Ihre neue Bekannte habe sich angeboten, ihnen dabei finanziell unter die Arme zu greifen. Die Angeklagten gaben im Prozess zu, gemeinsam mit der 50-Jährigen deren Aktienfonds bei der Ostseesparkasse aufgelöst und von den 20 000 Euro mehr als 13 000 Euro erhalten zu haben. Das habe ein Darlehen sein sollen, das mit der Geschäftsbeteiligung der Simone K. habe abgegolten werden sollen. Wortreich verteidigte Karina P. die ganze Aktion. Dieser so genannte Darlehensvertrag wurde allerdings mit falschem Namen unterzeichnet.

Aber auch dafür hat die 37-Jährige eine Erklärung. Aus dem Imbissgeschäft sei nichts geworden. Das Bauamt habe ihren Antrag abgelehnt. Da hatten sie das Geld aber schon für ein Auto, den Einbau einer Spüle, Zigaretten und losen Tabak fürs Geschäft ausgegeben. Eines Tages sei Simone K. im Laden erschienen. „Mädels, das ist Betrug. Ihr müsst mir das Geld zurückgeben“, habe sie gesagt. Von einer psychischen Erkrankung wollen beide nichts bemerkt haben. Opfer Simone K. war zur Verhandlung als Zeugin geladen.

Der Richter unterbrach die Sitzung aber schon nach wenigen Minuten. Der Prozess könne nur mit einem psychiatrischen Sachverständigen fortgesetzt werden, war er sich mit dem Staatsanwalt einig. Nur so könne geklärt werden, ob die Angeklagten einen Betrug begingen oder es sich um ein äußerst unmoralisches Verhalten der Kioskbesitzerinnen handelte.

Für den 12. Januar sind weitere Zeugen geladen. Die Haftbefehle gegen Karina P. und Laura H. wurden außer Vollzug gesetzt, aber noch nicht aufgehoben.

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