Population halbiert : Harte Zeiten für Störche

Trockenheit und bereits besetzte Nester machten es den Weißstörchen in diesem Jahr besonders schwer. 46 Horstpaare zogen gerade einmal 34 Jungtiere groß.
Trockenheit und bereits besetzte Nester machten es den Weißstörchen in diesem Jahr besonders schwer. 46 Horstpaare zogen gerade einmal 34 Jungtiere groß.

2016 ist das schlechteste Jahr seit Zählungsbeginn. Population hat sich zuletzt halbiert

svz.de von
23. August 2016, 12:00 Uhr

Das Storchenjahr 2016 im alten Landkreis Bad Doberan ist das schlechteste aller Zeiten. Zu diesem Ergebnis kommt der Weißstorchbeauftragte Stefan Kroll. Seit den ersten flächendeckenden Zählungen im Jahr 1901 gab es laut dem Experten noch nie eine so geringe Anzahl an Horstpaaren und flüggen Jungstörchen. In diesem Jahr zogen gerade einmal 46 Horstpaare 34 Jungtiere groß. 2015 waren es noch 51 Paare und 67 Jungstörche. „Damit hat sich die Storchenpopulation bei uns in den letzten zwölf Jahren halbiert“, sagt Kroll.

Wo liegen die Ursachen dafür? „Besonders die in Ost- und Südafrika überwinternden Störche hatten dort große Probleme mit Dürre und Nahrungsmangel. Viele von ihnen kehrten verspätet und in schlechter Kondition in ihr Brutgebiet zurück“, weiß der Weißstorchbeauftragte. Dadurch kam es zu vielen Kämpfen um Nester, die bereits besetzt waren. „Dabei wurden etliche Gelege vernichtet, zum Beispiel in Heiligenhagen oder Petschow. In Thulendorf kam sogar ein Angreifer durch einen Schnabelhieb in die Lunge zu Tode“, berichtet Koll.

Ein weiterer Grund: Viele Spätheimkehrer begannen gar nicht erst mehr mit der Brut. Und auch die lange Trockenphase hierzulande erschwerte die Nahrungssuche. „Ganze Bruten verhungerten wie in Volkenshagen, Neu Rethwisch, Thulendorf oder Satow, wo gleich vier tote Jungstörche aus dem Nest geholt wurden“, ist Kroll bestürzt. „Insgesamt blieben 61 Prozent der Paare ohne Bruterfolg – auch das ist ein trauriger Negativrekord.“ Lediglich in zwei Nestern, in Schwaan und in Wendfeld, wurden vier beziehungsweise drei Tiere pro Horst groß. „Ansonsten waren es maximal zwei“, berichtet der Experte. „Hier zeigt sich einmal mehr, dass es im alten Landkreis Bad Doberan, der auch im Landesvergleich seit Jahren beim Bruterfolg besonders schlecht abschneidet, für den Weißstorch zu wenige geeignete Nahrungsflächen gibt. Wichtig wären mehr kleinere Tümpel und Teiche, die auch bei anhaltender Trockenheit noch Wasser führen.“

Doch Kroll kann auch Positives berichten. In Sildemow siedelte sich ein Paar neu an. „Hier brüteten zuletzt vor 40 Jahren Störche.“ Auch in Mönchhagen wurden nach langer Pause wieder klappernde Rotschnäbel gesichtet. Genauso wie in Neu Rethwisch, Hohen Luckow, Clausdorf und Pastow. Leer hingegen blieben Nester an der Kita Broderstorf, in Dummerstorf, Gerdshagen, Klein Schwaß, Pankelow (Schornstein), Parkentin, Rukieten (alter Mast), Vorder Bollhagen und Wolfsberg.

In diesem Jahr waren Stefan Kroll und seine Helfer dank der Unterstützung der Bauernverbände zum achten Mal seit 2009 unterwegs, um 32 Jungtiere im alten Landkreis Bad Doberan sowie 15 Jungstörche im alten Kreis Bützow zu beringen.
 

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