Rostocker Zoo : Harapan – eine tierische Sensation

Bei bester Gesundheit: Harapan wiegt mittlerweile 425 Gramm.
Bei bester Gesundheit: Harapan wiegt mittlerweile 425 Gramm.

Tierpfleger ziehen hinter den Zoo-Kulissen seit Wochen einen Neuguinea-Kurzschnabeligel mit der Hand groß. Bald dürfen auch die Besucher Harapan kennenlernen.

svz.de von
22. Juli 2014, 10:00 Uhr

Der Rostocker Zoo zieht einen Neuguinea-Kurzschnabeligel mit der Hand auf. Sowohl der Nachwuchs in einem Zoo selbst als auch die Aufzucht ohne das Muttertier sind weltweit extrem selten. Das 22 Zentimeter große Urzeittier wird von den Tierpflegern des Darwineums seit April gefüttert und intensiv betreut. Die Art gehört zu den Ursäugern, die sowohl Merkmale von Reptilien als auch von Säugetieren haben. Die Tiere legen Eier, der Nachwuchs wird aber gesäugt. Geschlüpft war der Schnabeligel Anfang des Jahres, doch im April starb Mutter Tiffy.

Seither ziehen die Pfleger, Jana Wohlfahrt, René Ostendorf, Axel Dobbertin, Ron Zblewski und Detlef Grafunder, den Nachwuchs mit einer Mischung aus Milch, Öl, Wasser und Ei auf. „Wir füttern den Kleinen, so wie die Mutter es in der Natur macht, ungefähr alle fünf Tage“, sagte Kuratorin Antje Zimmermann. Der Zoo taufte das Jungtier Harapan, was auf Indonesisch Hoffnung bedeutet. Noch haust Harapan in einer Höhle hinter den Kulissen des Darwineums. Frühestens in vier Wochen könne der Schnabeligel dem Publikum präsentiert werden. Erst, wenn er feste Nahrung vertrage, könne der Zoo sich über die „äußerst seltene Erfolgsgeschichte“ freuen, sagt Zimmermann. „Wir können es kaum noch abwarten.“

Bei einer Routinekontrolle am 4. Januar hatten die Tierpfleger in der Bauchfalte von Tiffy das pergamentartige Ei ertastet. Um die Aufzucht nicht zu gefährden, wurde der Vater Gonzo in ein Gehege hinter die Kulissen gesetzt. Im Schnellverfahren haben die Zoo-Tischler eine Aufzuchtbox nach australischem Vorbild angefertigt. Erst am 3. Februar gab es eine vorsichtige zweite Beutelkontrolle. „Die Freude war riesig, als wir ein winzig kleines rosafarbenes Jungtier entdeckten. Es hatte zu dem Zeitpunkt ungefähr eine Größe von 20 Millimetern“, so Kuratorin Zimmermann.

Im April hat das Jungtier den Beutel der Mutter verlassen und lebte in der Aufzuchtbox des Geheges in Koje 8. Tiffy hat meistens den Höhleneingang verschlossen, bevor sie sich frei im Gehege bewegte. Sie lag aber auch selbst viel in der Nähe ihres Jungtieres in der Höhle. In der Natur ist es normal, dass die Mutter nur alle paar Tage mal ihr Jungtier aufsucht, um ihm etwas Milch zu geben.

Dann passierte etwas, womit keiner gerechnet hatte. Tiffy, die Mutter, starb am 24. April völlig unerwartet an einer schweren Darmentzündung. „Wir begannen unverzüglich mit den Vorbereitungen für eine Handaufzucht“, berichtet Antje Zimmermann. Das größte Problem sei gewesen, die richtige Zusammensetzung der Milch herauszufinden. Sehr hilfreich sei die Unterstützung von australischen Kollegen gewesen. „Angelehnt an die Erkenntnisse aus Australien haben wir unsere Babynahrung aus Hundeaufzuchtsmilch, Wasser, Öl, Ei und etwas Proteinpulver zusammengemixt. Zu unserem großen Glück hat unser Puggle diese Milchzusammensetzung vom ersten Tag an gut vertragen“, so Zimmermann. Die Jungtiere bei den Schnabeligeln werden bei den Australiern Puggle genannt. Inzwischen wiegt Harapan rund 425 Gramm.

Äußerlich ähneln Schnabeligel dem einheimischen Igel, die Arten sind aber nicht miteinander verwandt. In ihrer Heimat Australien und Neuguinea werden die Tiere bis zu 45 Jahre alt.

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