Rostock : Unimedizin stellt Desinfektionsmittel selbst her

In der Apotheke der Universitätsmedizin füllen Mitarbeiterinnen Ethanol und weitere Zusatzstoffe in einen Druckbehälter, um selber Desinfektionsmittel nach WHO-Standard herzustellen.
In der Apotheke der Universitätsmedizin füllen Mitarbeiterinnen Ethanol und weitere Zusatzstoffe in einen Druckbehälter, um selber Desinfektionsmittel nach WHO-Standard herzustellen.

Damit will die Klinik Lieferengpässen entgegenwirken. Das Corona-Testzentrum hat auch an Feiertagen geöffnet.

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31. März 2020, 15:28 Uhr

Rostock | Nicht nur in den Apotheken und Krankenhäusern wird durch die aktuelle Lage wegen des Coronavirus das Desinfektionsmittel knapp, sondern auch an der Unimedizin Rostock. Daher wird das jetzt in der hauseigenen Apotheke selbst hergestellt, teilte Susanne Schimke, Sprecherin der Unimedizin Rostock, am Dienstag mit.

Die Apotheke könne dazu auf ein altes Gerät zurückgreifen, das die Herstellung größerer Mengen vereinfacht. In einem speziellen Ansatz-Druckkessel produzieren die Pharmazeuten nach einer Formel der Weltgesundheitsorganisation bis zu 100 Liter Desinfektionsmittel in einem Ansatz.

Der Druckbehälter, der für die Herstellung des Desinfektionsmittels verwendet wird, stammt von 1992 und war bis 2016 in Betrieb.
Bernd Wüstneck
Der Druckbehälter, der für die Herstellung des Desinfektionsmittels verwendet wird, stammt von 1992 und war bis 2016 in Betrieb.

"Der Kessel stammt von 1992 und war nach einer Umrüstung bis 2016 im Betrieb", sagte Apothekenleiterin Susanne Paschka. "Jetzt konnten wir ihn innerhalb kürzester Zeit wieder fitmachen und haben die notwendigen Zertifikate bekommen."

Herstellungsprozess vertraut

Die Herstellung von Desinfektionsmittel aus Ethanol, Wasserstoffperoxid, Glycerol und Wasser geschehe analog zur Herstellung von Arzneimitteln und sei dem Team daher vertraut, so Paschka. Einen solchen Druckkessel kennen allerdings nicht mehr alle jüngeren Kollegen. "Leider sind im Moment auch nicht alle einzelnen Inhaltsstoffe gut erhältlich", so Paschka. "Wir sind über jede Lieferung froh."

Das selbst hergestellte Desinfektionsmittel wird anschließend in 700 Flaschen abgefüllt.
Bernd Wüstneck
Das selbst hergestellte Desinfektionsmittel wird anschließend in 700 Flaschen abgefüllt.

Die so angerührte Mischung wirke aktiv gegen behüllte Viren, wozu auch das Covid-19 auslösende Virus SARS-CoV-2 zählt, erklärt die Unimedizin. Zusätzlich werden auch die etwa 700 Flaschen, die in der Unimedizin in Spendern verteilt sind, gesammelt, dann in den Reinigungs- und Desinfektionsgeräten der Zentralsterilisation bei über 90 Grad Celsius aufbereitet, um sie später erneut zu befüllen.

Mittel für Händedesinfektion geeignet

"Die Eigenherstellung ist in der jetzigen Situation enorm wichtig, deckt jedoch nicht unseren gesamten Bedarf", so Nadja Schmidt, Geschäftsbereichsleitung Zentraleinkauf und Logistik. "Damit können wir nur Lieferengpässe und -verzögerungen der Industrie ausgleichen. Wir sind weiterhin auf Lieferungen von Desinfektionsmittel angewiesen, allein schon weil unsere Eigenherstellung zwar für die hygienische Händedesinfektion geeignet ist, nicht aber für die chirurgische."

'Leider sind im Moment auch nicht alle einzelnen Inhaltsstoffe gut erhältlich', sagt Apothekenleiterin Susanne Paschka.
Bernd Wüstneck
"Leider sind im Moment auch nicht alle einzelnen Inhaltsstoffe gut erhältlich", sagt Apothekenleiterin Susanne Paschka.

Auch während der Feiertage von Karfreitag bis Ostermontag wird das Corona-Testzentrum der Unimedizin jeweils von 10 bis 12 Uhr öffnen. Darüber hinaus versorgt die Universitätsmedizin rund um die Uhr Patienten und Notfälle. Am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene wurden bis Montagabend, Stand 21 Uhr, 4382 Proben auf den Covid-19-Erreger getestet.

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