Mit Bierdeckeln gegen Gewalt : Rostocker Soroptimisten-Club beteiligt sich an internationaler Aktion

von 13. November 2020, 05:00 Uhr

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Auch S. Möller (l.) und Soroptimistin Rosemarie vom 'Törtcheneck Schwesterherz' beteiligen sich an der Aktion.
Auch S. Möller (l.) und Soroptimistin Rosemarie vom "Törtcheneck Schwesterherz" beteiligen sich an der Aktion.

16 Tage lang wird auf das Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht.

Rostock | Es passiert täglich und überall, oft versteckt, manchmal offensichtlich: Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 140.000 Fälle von häuslicher Gewalt angezeigt, mehr als 300 Frauen sterben, weil ein Mann gewalttätig wurde. Das beweist die Statistik des Bundeskriminalamts. Daran immer wieder zu erinnern, sei wichtig, meint der Club der Soroptimisten in Rostock, und schließt sich einer deutschlandweiten Aktion an. Club der Soroptimisten  Hintergrund sind die „Orange Days“ 16 Tage lang wird auf das Problem der Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Start ist am 25. November, dem Internationalen Tag „Gegen Gewalt gegen Frauen“. Weltweit wird dann Orange die Farbe der Solidarität: Gebäude werden farbig angestrahlt, Skulpturen mit Schals dekoriert. 60 deutsche Soroptimisten-Clubs haben sich für Bierdeckel entschieden. Ab Ende November benutzen auch Gastronomen in und um Rostock kleine, runde Pappuntersetzer, die unter anderem mit einer kostenfreien Notfall-Telefonnummer bedruckt sind. Hier bekommen Frauen, die von Gewalt betroffen sind, Unterstützung – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. „In Rostock und Umgebung machen etwa 30 Gastronomen mit“, sagt Camilla Swanér, die Präsidentin des Rostocker Soroptimisten-Clubs. In der Organisation engagieren sich Frauen verschiedener Berufsgruppen für andere Frauen und deren Kinder. Solange die Gaststätten geschlossen sein müssen, werden die Bierdeckel über die Lieferdienste verteilt. Viele Wirte waren sofort bereit mitzumachen, manche haben sogar schon Geld gespendet. Andere hätten jedoch gezögert. „Einer meinte, seine Gäste möchten eine schöne Zeit haben, da will er sie nicht mit so einem schweren Thema belasten“, bedauert Swanér. „Ein anderer sagte, er habe unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen keinen Nerv für sowas.“ Die Aktion soll bis zum 10. Dezember laufen. Danach wollen die Organisatorinnen fragen, welche Reaktionen es gab. Die weltweite Soroptimisten-Organisation wurde 1921 in Kalifornien gegründet. Inzwischen gibt es Clubs überall auf der Welt, allein in Deutschland sind es mehr als 200 mit rund 6.500 Mitgliedern. „Wir sind vergleichbar mit dem Rotary-Club, in dem Männer sich gesellschaftlich engagieren“, sagt die Rostocker Präsidentin. Seit fünf Jahren sind die „guten Schwestern“ in der Hansestadt aktiv. Unter den Mitgliedern sind zum Beispiel eine Lehrerin, eine Richterin und eine Polizeibeamtin, aber auch eine Hausfrau und eine Krankenschwester. Aus jedem Beruf wird nur eine Vertreterin aufgenommen, um in diesem Netzwerk eine Vielfalt zu sichern. Gerade wurden 10.000 Euro an das Rostocker Frauenhaus gespendet, damit kann ein neues Auto wenigstens zum Teil finanziert werden. „Wir unterstützen mit Geld, aber auch mit Taten“, erklärt Swanér. „Zum Beispiel haben wir Ausflüge mit Betroffenen aus dem Frauenhaus und ihren Kindern gemacht, damit sie mal rauskommen und etwas Schönes erleben.“ Nationales Notfall-Telefon (kostenfrei): 08000 – 116 016...

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