Volkstheater Rostock : Orchester fordert mehr Stellen und Geld

Mit ernsten Worten wendet sich Martin Goffing, Musiker der Norddeutschen Philharmonie Rostock, vor dem Konzert an das Publikum. Er macht auf die Auswirkungen des Haustarifvertrages des Volkstheaters aufmerksam.
Mit ernsten Worten wendet sich Martin Goffing, Musiker der Norddeutschen Philharmonie Rostock, vor dem Konzert an das Publikum. Er macht auf die Auswirkungen des Haustarifvertrages des Volkstheaters aufmerksam.

Wegen des Haustarifvertrags am Volkstheater könnten zukünftig Vorstellungen ausfallen und die musikalische Qualität sei gefährdet.

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09. März 2020, 11:26 Uhr

Rostock | Anders als erwartet hat für die 550 Gäste das 7. Philharmonische Konzert der Norddeutschen Philharmonie Rostock am Sonntagabend im Großen Haus begonnen. Statt Kompositionen von Ravel, de Sarasate und de Falla anzustimmen, bat Martin Goffing, Rostocker Orchestermusiker und Delegierter der Deutschen Orchestervereinigung DOV, vor ausverkauftem Haus vorab um kurze Aufmerksamkeit und Verständnis.

Grund: Das Orchester befände sich in einer zunehmend schwieriger werdenden Situation und könne auch Streiks und Vorstellungsausfälle künftig nicht mehr ausschließen. Dabei ginge es einerseits um die tarifliche Bezahlung der Orchestermitglieder und andererseits um die Gefährdung der musikalischen Qualität durch ein Nichtbesetzen von Stellen.

Musiker verdienen 15 Prozent unter Tarif

Berühmte Werke wie die von Ravel oder de Falla benötigten eine große Orchesterbesetzung. Um diese aufführen zu können, seien viele Aushilfen notwendig, weil die Norddeutsche Philharmonie, die einst 90 Musiker zählte, freiwerdende Orchesterstellen nicht nachbesetzen darf oder nur noch mit befristeten Verträgen. Zudem verdienten die Musiker derzeit 15 Prozent unter Tarif, während in den anderen Sparten des Volkstheaters 100 Prozent des Branchentarifs bezahlt werden.

Hintergrund dieser Situation ist ein Haustarifvertrag, der vor sechs Jahren abgeschlossen wurde, als es dem Volkstheater Rostock wirtschaftlich sehr schlecht ging und Spartenschließungen drohten. Damals verzichteten die Orchestermitglieder auf Teile ihres Einkommens. Als Gegenleistung verpflichteten sich die Theaterleitung und der Gesellschafter, die Hanse- und Universitätsstadt Rostock, im Orchester dauerhaft 73 Musikerstellen zu garantieren.

Orchstermitglieder gegen verordnete Drittklassigkeit

Diese vertragliche Zusage sei nie eingehalten worden, betonte Goffing. Nur der Gehaltsverzicht sei umgesetzt worden. "Das Volkstheater ist seit der Überführung in eine GmbH im Jahr 2010 von Land und Stadt unterfinanziert." Der Rostocker Musiker verwies im Namen der Norddeutschen Philharmonie darauf, dass das Orchester eine "verordnete Zweit- und Drittklassigkeit" ablehne.

Er forderte von Land und Stadt, das Volkstheater finanziell so auszustatten, dass alle Angestellten nach Branchentarif bezahlt werden können. An den Intendanten des Volkstheaters, Ralph Reichel, richtete er die Forderung, "das Orchester personell so zu besetzen, dass auch in Zukunft begabte junge Musiker im Konzert und in der Oper zu erleben sind."

Publikum bekundet ihre Unterstützung für Forderung

Das Publikum reagierte mit zustimmendem Beifall. "Über das große Verständnis der Musikfreunde freuen wir uns sehr", unterstrich im Anschluss Orchestervorstand Andreas Ott. Keiner der Musiker möchte den Zuhörern, die bei den Rostocker Konzerten ausgesprochen herzlich reagierten, die Freude an der Musik nehmen. Leider gäbe es aber keine andere Möglichkeit mehr, auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen.

"Die Verunsicherung im Orchester ist seit Langem groß. Ich bedauere es sehr, dass solche drastischen Maßnahmen wie Konzertausfälle in Erwägung gezogen werden müssen. Aber ich verstehe auch die Anliegen der Musiker für hohe Qualität und angemessenes Salär zu streiten", sagte Dr. Thomas Diestel, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft Rostock. "Ich finde es als eine zutiefst unwürdige Angelegenheit, welche geringe Wertschätzung das Orchester auf politischer Bühne erfährt."

Der Förderverein hatte sich bereits mehrfach mit Aktionen und einer Petition an den Landtag für den Erhalt der Norddeutschen Philharmonie als A-Orchester eingesetzt.

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