Kitas in Rostock : Erzieher schaffen Normalität in der Notbetreuung

Auch in der Notbetreuung musiziert Erzieherin Ricarda Lorenz in der Kindertagesstätte Gänseblümchen mit dem zweijährigen Mats.
Auch in der Notbetreuung musiziert Erzieherin Ricarda Lorenz in der Kindertagesstätte Gänseblümchen mit dem zweijährigen Mats.

Ab dem 25. Mai sollten alle Kinder wieder zurück in die Einrichtungen. Die aktuelle Situation belastet die Eltern jedoch.

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08. Mai 2020, 18:00 Uhr

Rostock | Der zweijährige Mats zieht den Holzstab über den Klangfrosch in seiner Hand und stimmt gemeinsam mit seiner Erzieherin Ricarda Lorenz das Lied "Alle meine Entchen" an. Ansonsten bleibt es in der integrativen Kindertagesstätte Gänseblümchen in der Rostocker Südstadt derzeit weitestgehend ruhig. Denn neben Mats werden dort aktuell nur vier weitere Kinder betreut, erzählte Leiterin Melanie Witt.

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Bedingt durch die Corona-Krise bleiben die Kitas der Hansestadt seit Mitte März nur für die Notbetreuung offen. Ab dem 18. Mai soll zunächst für die Vorschulkinder, ab dem 25. Mai auch für die jüngeren wieder ein eingeschänkter Regelbetrieb beginnen. Das hatte die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern am Donnerstag beschlossen. Für Eltern, Kinder und Erzieher ist die Situation jedoch bereits jetzt eine Herausforderung.

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Normaler Alltag soll erhalten werden

"Eigentlich herrscht hier im Haus immer viel Freude, es wird gelacht und getobt. Das fehlt jetzt, auch in der Arbeit als Erzieher", sagte Lorenz mit Tränen in den Augen. Der Kita-Alltag in der Notbetreuung werde jedoch so normal wie möglich gestaltet. So werde gemeinsam gesungen, gespielt und Sport gemacht.

Um mit den Kindern Zuhause in Kontakt zu bleiben, verschickt Witt Briefe und ihre insgesamt elf Vorschulkinder werden mit Aufgaben versorgt. Im Haus wurden derweil Wände neu gestaltet, damit die Kita bei der Rückkehr der Kinder im neuen Glanz erstrahle.

Neben der neuen Wandgestaltung, legten die Mitarbeiter der Kita Gänseblümchen auch einige Mosaik-Kunstwerke hinter einer Holzwand frei, die es so auch im Rostocker Zoo gibt, wie Witt erklärte. In Zukunft sollen diese hinter Plexiglas wieder sichtbar werden.
Aline Farbacher
Neben der neuen Wandgestaltung, legten die Mitarbeiter der Kita Gänseblümchen auch einige Mosaik-Kunstwerke hinter einer Holzwand frei, die es so auch im Rostocker Zoo gibt, wie Witt erklärte. In Zukunft sollen diese hinter Plexiglas wieder sichtbar werden.


Erhöhte Hygiene-Maßnahmen ja - Mundschutz eher nicht

Bereits vor der Corona-Pandemie hatten Hygiene-Maßnahmen in der Kita Gänseblümchen einen hohen Stellenwert, da dort hochgradig allergische oder immunschwache Kinder betreut werden. Das Tragen eines Mundschutzes sei jedoch ausgeschlossen. "Unsere Kinder mit erhöhtem Förderbedarf brauchen Mimik und Gestik. Sie müssen mein Gesicht sehen". Aktuell werden die Kinder in zwei Gruppen getrennt von einander betreut. Zudem gebe es gesonderte Hofzeiten.

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Ähnlich organisiere sich auch die Notbetreuung in den Rostocker Kitas des Instituts Lernen und Leben (ILL). "Fünf bis maximal zehn Kinder sind festen Gruppen zugeteilt. Sie haben zwei Bezugserzieher, die sich die Betreuung über den Tag teilen", sagte Beate Arndt, Bereichsleiterin Kindertagesstätten. So werden in der Kita Wiedenhoff in Brinckmansdorf derzeit um die 20 Kinder in vier Gruppen notbetreut, erklärte die Leiterin Heike Balschmiter. Auf gruppenübergreifende Angebote werde verzichtet.

"Beispielsweise wird auch das regelmäßige Händewaschen ritualisiert, das so lange dauert, bis die Kinder zwei Mal „Happy Birthday“ gesungen haben", ergänzte Arndt. Dennoch werde der Kita-Alltag normal gestaltet. "Zu Beginn der Corona-Krise haben wir den Kindern den Corona-Virus und den Umgang mit ihm beispielsweise mithilfe eines Puppentheaters anschaulich erklärt", so Balschmiter.

Eltern belastet Situation

Die aktuelle Situation sei jedoch eine Herausforderung, so Witt. Die Kinder bräuchten den Kontakt zu gleichaltrigen. Zudem könnte in der Betreuung Zuhause auch die in der Kita angebotene Förderung nicht im vollen Maße ersetzt werden.

Eltern würden aktuell unter der Belastung durch Beruf oder Homeoffice und Betreuung der Kinder ächzen, sagte der Vorsitzende des Rostocker Kita-Stadtelternrates, Bastian Schwennigcke. Zuerst die größeren Kinder wieder in die Kitas zu lassen, sei der falsche Weg. "Die Kleinsten kommen in der Diskussion zu kurz". Denn gerade die Kinder im Krippenalter brauchen viel Betreuung und Zuwendung. "Es sollte nicht in Personengruppen gedacht, sondern mehr auf die Bedürfnisse der Familien eingegangen werden", stimmte Witt zu.  

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Kommentar von Aline Farbacher: Auch kreative Lösungen erwägen

Dass auch die Kitas bald wieder für alle Kinder geöffnet werden, ist grundsätzlich gut. Denn so kehrt ein Stück Normalität in den Alltag der Kleinsten zurück und ein Kontakt mit gleichaltrigen wird wieder möglich. Auch dürfte so manchem Elternteil ein Stein vom Herzen fallen, da sie die Betreuung ihres Schützlings Zuhause,  neben der Arbeit  nur schwer organisieren können. Dennoch bringt die schrittweise Öffnung  auch  Herausforderungen mit sich. So könnten in einigen Einrichtungen die Raumkapazitäten, nicht ausreichen, wenn nach und nach alle Kinder zurück kehren, die Gruppen jedoch geteilt werden müssen. Das wird vor allem in integrativen Kitas zum Problem, da dort mehr Erzieher in einer Gruppe benötigt werden, um die erhöhten Förderbedarfe zu decken. Wichtig ist es also, kreative Lösungsansätze zu finden. Und in Einzelfällen gesondert zu entscheiden,  welches Kind in die Kita kommt, um die Kinder als auch Eltern und Erzieher zu entlasten.

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