Rostock : Hansestadt muss Personal abbauen

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Durch Stellenstreichungen, Altersteilzeitregelungen und Nichtbesetzung frei werdender Arbeitsplätze hat Rostocks Stadtverwaltung zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 30. Juni 2010 5,7 Millionen Euro eingespart.

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18. November 2010, 04:58 Uhr

Rostock | Durch Stellenstreichungen, Altersteilzeitregelungen und Nichtbesetzung frei werdender Arbeitsplätze hat Rostocks Stadtverwaltung zwischen dem 1. Januar 2009 und dem 30. Juni 2010 rund 5,7 Millionen Euro eingespart.
Die Anzahl der Beschäftigten ist in diesem Zeitraum von 1907 auf 1847 zurückgegangen. Diese Zahlen legte Personalratsvorsitzende Eva Wesenberg gestern bei einer Versammlung der Verwaltungsangestellten in der Rostocker Stadthalle vor.

"Trotz 42 Neueinstellungen wurden real 60 Stellen abgebaut", sagt Wesenberg. Als Folge der daraus resultierenden Mehrbelastung hätten psychische Erkrankungen enorm zugenommen. Abzulesen sei dies unter anderem an den Fehlzeiten, die ihren Angaben zufolge 2009 sieben Prozent ausgemacht haben. Angesichts des stetig steigenden Altersdurchschnitts rechnet die Personalratsvorsitzende in Zukunft mit noch mehr Ausfalltagen. Aktuell beträgt der Altersdurchschnitt der Angestellten 48,3 Jahre. "Ohne Gegensteuerung werden es 2015 52,9 Jahre sein", sagt Wesenberg.

Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) verweist auf Vorgaben des Landesrechnungshofes: Rostock müsse sein Verwaltungspersonal auf mindestens 1700 Stellen reduzieren. "Mit mir wird es betriebsbedingte Kündigungen nicht geben, auch in Zukunft nicht", sagt Methling gleichzeitig. Stattdessen solle die Vorgabe durch reguläre Ausschiede aus dem Dienst erfüllt werden. Bis 2020 betrifft das 644 Stellen, 371 davon in der mittleren Ebene.

Innenminister schränkt Spielraum ein

Diese Zahlen sollen auch im neuen Personalentwicklungskonzept bis 2018 berücksichtigt werden. "Wir brauchen strukturelle Änderungen, aber nicht auf Kosten des Personals", sagt Methling. Allerdings machen die Ausgaben für die Angestellten noch immer mehr als 20 Prozent des städtischen Haushalts aus.

Grund genug für Innenminister Lorenz Caffier (CDU), weitere Einsparungen zu fordern. Rostock darf freie Stellen derzeit nur mit internem Personal besetzen, externe Bewerber benötigen für ihre Zulassung die Genehmigung aus Schwerin. Methlings Ziel ist es daher, den Spielraum der Stadt durch konsequente Haushaltskonsolidierung zu erweitern.

Flexibler soll auch die Arbeitszeit der städtischen Angestellten werden. Derzeit entwirft der Personalrat ein Gleitzeit-Modell, das individuelle Arbeitszeiten zwischen 7 und 19 Uhr zulässt. Mit der Dienststelle soll im kommenden Jahr darüber verhandelt werden. Das Modell rief auf der gestrigen Versammlung aber sofort Kritik hervor. Denn bisher öffneten Ämter wie die Führerscheinstelle schon um 6.30 Uhr, um den Bürgern den Gang aufs Amt zu erleichtern.

Mit der bestehenden Regelung ist die Belegschaft aber auch unzufrieden. Ihr zufolge dürfen die Angestellten maximal 20 Überstunden oder zehn Fehlstunden anhäufen. Das war unter anderem im Sommer problematisch, als Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius reguläres Arbeiten unmöglich machten.

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