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Inklusion in Rostock : Hansestadt als Vorbild für Deutschland

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Aktion Mensch macht Rostock zur Modellregion für Inklusion. Menschen mit Behinderung soll mehr Teilhabe ermöglicht werden

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 08:00 Uhr

In der Hansestadt soll Inklusion weiter vorangebracht werden und damit bessere Voraussetzungen geschaffen werden, dass behinderte Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Rostock ist eine der fünf Modellregionen der Initiative Kommune inklusiv, die der Verein Aktion Mensch ausgerufen hat. Die Erfahrungen der Hansestadt mit Maßnahmen, Netzwerk- und Arbeitsstrukturen sowie inhaltlichen Lösungsansätzen sollen beispielhaft für ganz Deutschland sein.

„Am 6. März wird es in Rostock die offizielle Auftaktveranstaltung geben“, informiert Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Derzeit bereitet sich die Verwaltung darauf vor. Hoffnungen, was die Initiative verändern wird, gibt es schon jetzt. Der Verein Rostocker für Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe war schon im Bewerbungsverfahren beteiligt. Bürger, Organisationen und politisch Verantwortliche aus rund 130 Sozialräumen in ganz Deutschland hatten sich bis zum Sommer bei der Aktion Mensch beworben. In der letzten Runde besuchte diese einige Städte, um sich zu entscheiden.

An einem Treffen im Sozialamt nahmen die Netzwerkpartner für die Initiative in Rostock teil – Vertreter des Amtes, der Paul-Friedrich-Scheel-Schule, der Diakonie, der Caritas, der Senator oder auch der Behindertenbeirat. Flammende Worte, dass Rostock sich gut weiterentwickeln könnte, hin zu mehr Inklusion, fand dabei auch Vereinsmitglied Robert Bull, selbst spastisch gelähmt. „Wir sehen uns da als Ideengeber“, sagt Vereinskollege Manfred Ehrlich, „und ich möchte, dass wir möglichst viel umsetzen“. Der Verein plädiert etwa für barrierefreie Stadtführungen. Ehrlich, auch Mitglied bei der Geschichtswerkstatt, hat dort schon mal vorgefühlt – „Die würden mitmachen“. Mit dem studentischen Prorektor Marcus Neick hat er über die Kartierung barrierefreier Übergänge in der Stadt gesprochen. Vorbild dafür ist das Routing der Stadt Heidelberg. „Er hat die Idee begrüßt. Es wäre doch ein schönes Geschenk der Studentenschaft an die Stadt zum 800.Geburtstag“, sagt Ehrlich.

Seine große Hoffnung ist, dass im Großprojekt der Aktion Mensch ein Hauptproblem bei der Inklusion in den Arbeitsmarkt angegangen wird. „Es gibt für Behinderte ein Leistungsprofil“, sagt der 79-Jährige. Allerdings müssen die Firmen bisher kein Anforderungsprofil stellen, in dem steht, was ein Bewerber nicht können muss. „Für manche Stellen bräuchte man einen Leistungssportler.“ Aber dann stünde der lapidare Satz: „Menschen mit Behinderung werden bei gleicher Eignung bevorzugt“. Behinderte würden oft schon hinten runter fallen, weil ein Fahrstuhl im Unternehmen fehlt und die Anstellung eines Rollstuhlfahrers eigentlich ausschließt. Das Kommune inklusiv-Programm soll in Rostock einen Geschäftsführer haben. Der Verein plädiert für eine Tandem-Variante, dass sich ein Mensch mit und einer ohne Behinderung die Führung teilen.

Aktuell arbeiten Wissenschaftler der Universität Frankfurt an einer Bestandsaufnahme für Rostock und die anderen Pilotregionen – dazu, wie weit die Inklusion ist. Untersucht werden etwa die Angebote, Barrierefreiheit im öffentlichen Raum oder auch Inklusionsstrukturen in der Verwaltung. Im März beginnen Professionalisierungsmaßnahmen. Ein Inklusionsforum mit Fortbildungen wird angeboten, Workshops und Online-Seminare mit Experten. Sie umfassen die Bereiche Inklusion und Barrierefreiheit, Projektentwicklung, Vernetzung, Kommunikation, Engagement und Partizipation.

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