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Großereignis auf dem Prüfstand : Hanse Sail bald eine Woche?

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Das Hanse-Sail-Konzept soll auf den Prüfstand. So könnten die Veranstaltungstage dazu von vier auf sieben ausgedehnt werden. Außerdem sollen große Windjammer wie die „Krusenstern“ im Stadthafen anlegen.

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erstellt am 23.Nov.2011 | 08:48 Uhr

Rostock | Das Hanse-Sail-Konzept soll auf den Prüfstand. Das fordern die Bürgerschaftsfraktionen von Linke, SPD, CDU, FDP und Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 in einem gemeinsamen Antrag. Sie wollen das maritime Aushängeschild der Stadt weiterentwickeln und als international beachtetes Top-Event erhalten. Unter anderem könnten die Veranstaltungstage dazu von vier auf sieben ausgedehnt werden, schlägt die CDU vor. Das würde mehr Besucher nach Rostock und ganz MV locken, so die Begründung. Sail-Chef Holger Bellgardt hingegen sieht die dringendsten Probleme im überregionalen Bekanntheitsgrad und der knappen Finanzierung.

Sail-Traum: Großsegler im Stadthafen

Zurückgehende Besucherzahlen und ein immer gleicher Ablauf: Die Hanse Sail droht ihren Status als internationales Top-Event zu verlieren. Das zumindest fürchten die Fraktionen von Linken, SPD, CDU, FDP und Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. In einem gemeinsamen Bürgerschaftsantrag fordern sie von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) frische Ideen: „Das Konzept der Sail bedarf im Ganzen einer Überarbeitung, um weiter zu wachsen und hochgradig attraktiv zu wirken.“

Der Wirtschaftsausschuss stimmte der Vorlage und einem Änderungsantrag der CDU gestern zu. Darin schlagen die Christdemokraten die Ausdehnung des Großereignisses von derzeit vier Tagen auf eine Woche vor. „Es geht darum, langfristig synergetische Wirtschaftlichkeitserwägungen in Betracht zu ziehen“, sagt Dr. Helmut Schmidt (CDU), Vorsitzender des Ausschusses. Eine Verlängerung der Sail käme Tourismusbranche und Schaustellern in ganz MV zugute. Außerdem könne so die Abhängigkeit vom Wetter reduziert werden. „In diesem Jahr wäre die Sail fast ins Wasser gefallen“, sagt Schmidt. Statt der erwarteten eine Million Besucher kamen nur 750 000.

„Ich begrüße es, das Konzept zu überprüfen“, sagt Sail-Chef Holger Bellgardt. Er will aber eine ergebnisoffene Diskussion führen und sieht im Falle einer Zustimmung durch die Bürgerschaft andere Brennpunkte. So träume er etwa davon, wieder große Windjammer wie die „Krusenstern“ im Stadthafen anlegen zu lassen. Zuletzt ankerten dort im Jahr 2000 die „Mir“ und die „Sedov“. „Das ist technisch heute unmöglich“, sagt er. In Zukunft jedoch müsse die Stadt den Hafen ohnehin ausbaggern, um die enge Fahrrinne zu verbreitern und so Unfälle zu vermeiden.

„Wir sollten gründlich und behutsam vorgehen“, sagt Bellgardt. So gebe es beispielsweise gute Gründe, die für oder auch gegen eine Ausweitung auf eine Woche sprächen. Zwar würden Buden, Toiletten oder zig Kilometer Kabel ohnehin aufgebaut, andererseits koste jeder Veranstaltungstag eine Menge Geld. Davon seien auch Dritte betroffen, beispielsweise die Betreiber von Bühnen, die ihr Programm ebenfalls anpassen müssten – ohne Eintritt zu nehmen. Auch die Einbettung in den internationalen Veranstaltungskalender müsse berücksichtigt werden.

Generell sei der Erfolg der Veranstaltung eng mit ihrer finanziellen Ausstattung verknüpft. „Wir haben Defizite, die Hanse Sail überregional darzustellen, weil das Geld fehlt“, sagt Bellgardt. Dabei sei das ein ernstes Thema: „Wir müssen raus und Werbekampagnen machen.“ Doch das verhindere unter anderem der grenzwertige städtische Zuschuss. Zuletzt hatte die Bürgerschaft sogar eine weitere Kürzung diskutiert.

„Vor diesem Hintergrund ist die Vorlage etwas unehrlich“, sagt Mathias Krack (Für Rostock), Mitglied im Wirtschaftsausschuss. Ihm fehle das Bekenntnis, das Hanse Sail Büro auch mit den nötigen Mitteln für die weitere Entwicklung auszustatten. Bislang hatte die Stadt etwa ein Drittel der Gesamtkosten von rund 1,2 Millionen Euro übernommen. Den Rest deckten Sponsoren und sonstige Einnahmen ab.

Bellgardt fordert zudem, die Hanse Sail stärker in die Stadtplanung einzubeziehen. Das betreffe auch die unsanierten Flächen im Stadthafen. „Im Sommer sind sie entweder staubig oder saufen ab“, sagt Bellgardt. Vor einer räumlichen Ausdehnung, wie im Antrag der Fraktionen angedacht, müsse diese Kernzone erst in Ordnung gebracht werden. Und auch die Verdrängung der Traditionsschiffe durch Kreuzliner bei den Warnemünder Liegeplätzen müsse anders geregelt werden.

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