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Rostock : Hanse Sail, ahoi! Das Fest unter Segeln startet

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Gäste sehen 220 Schiffe und ein abwechslungsreiches Programm an Land. Hunderttausende Besucher werden erwartet.

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erstellt am 08.Aug.2014 | 04:00 Uhr

Drei Doppelschläge an der Schiffsglocke – und schon rollt Rostock die Segel aus. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) haben gestern Nachmittag im Stadthafen die 24. Hanse Sail eröffnet. Jetzt freuen sich hunderttausende Menschen in der Hansestadt auf das Fest unter Segeln, auf die ganz großen Windjammer, die kleinen Traditionssegler und ein abwechslungsreiches Programm an Land. „Die Hanse Sail ist ein wunderbares Fest und sie schickt die besten Bilder aus Mecklenburg-Vorpommern rund um die Welt“, sagte Sellering. Tatsächlich fällt die Sail dieses Mal international aus: Allein unter den 220 angemeldeten Schiffen sind Teilnehmer aus vielen Nationen.

In Warnemünde machen die russischen Großsegler „Sedov“ und „Kruzenshtern“ fest, die immerhin auch 80 Meter lange „Santa Maria Manuela“ aus Portugal besucht den Stadthafen. „Die vielen Facetten machen die Hanse Sail aus“, sagt Rathaus-Chef Methling. Er verriet gestern auch seinen persönlichen Geheimtipp der Sail 2014: die Brigg „Tre Kronor af Stockholm“. An dem Bau des Schiffes, das unter der Schirmherrschaft des schwedischen Königshauses steht, hatte sich vor mehr als zehn Jahren auch Rostock mit einem kleinen Betrag beteiligt.

Partner der diesjährigen  Sail ist Finnland. Die finnische Botschafterin in Deutschland, Päivi Luostarinen, stattete dem maritimen Großereignis gestern einen Besuch ab: „Ich bin stolz auf diese Partnerschaft und die vielen schönen Schiffe. Denn das Meer verbindet unsere beiden Länder.“ Finnland hat den 1909 gebauten Segler  „Amazone“ in die Hansestadt entsandt.
 

Ganz groß –  „Santa Maria Manuela“
Rostock Mit ihren  68 Metern  Länge  ist  die  „Santa Maria Manuela“ eines der größten Schiffe auf der Hanse Sail. Gestern Nachmittag lief der weiße  Viermast-Gaffelschoner in den Rostocker Stadthafen ein. Er ist das erste Mal zu  Gast in der Hansestadt.

Gebaut wurde die „Santa Maria Manuela“ 1937 auf der Lissaboner Werft Compahnia União Fabril. „Man verwendete den besten Stahl, der auch heute noch original vorhanden ist“, sagt Kapitän Antonio São Marcos. Bis 1962 war das Schiff auf monatelangen Fangreisen  nach Kanada unterwegs. Dann wechselten die Besitzer. Das Schiff verfiel in einen Dornröschen-Schlaf. „Die ,Santa Maria Manuela’ musste instand gesetzt werden. Doch es hatte sich lange kein Investor gefunden, der die Kosten für die Renovierung übernehmen wollte“, erzählt Marcos – bis 2007.  Anibal  Paião verpasste dem museumsreifen Schiff  einen neuen Anstrich.  „Der Schiffskern musste komplett erneuert werden. Die äußere Stahlwand blieb erhalten“, sagt der Kapitän weiter.

Antonio São Marcos übernahm im Jahr 2010 das Kommando über den Viermaster. Doch bereits vorher beteiligte er sich an der Restaurierung des Schiffes.

Die „Santa Maria Manuela“ hat eine Segelfläche von 1130 Quadratmetern. Mit dem Wind aus der richtigen Richtung kann sie bis zu 40 Knoten Fahrt aufnehmen. „Auf der Überfahrt nach Rostock konnten wir nicht die ganze Zeit unter Segeln fahren“, berichtet Marcos.   Sowohl heute als auch am Wochenende unternimmt der Viermaster Segeltörns. „Unsere Gäste können sich auf typisch portugiesische Hausmannskost freuen“, so Marcos.

Ganz klein – „Nakskov Havn 1“
Rostock Es war die Liebe zu den alten Schiffen, die Benny Jacobson im Jahr 2002 an Bord  der „Nakskov Havn 1“ brachte. Das 200. Teilnehmerschiff der Hanse Sail feiert in diesem Jahr einen großen Geburtstag: Vor 100 Jahren ist der Schlepper das erste Mal in See gestochen. Dabei ist das Schiff eigentlich ganz klein  – die  „Nakskov Havn 1“ misst lediglich 12,60 Meter.

1914  wurde sie auf der Rasmussen Werft im dänischen Nakskov gebaut, um den damaligen Ausbau des Hafens zu unterstützen. „Das Schiff war von 1914 bis 2001 im Einsatz vom Nakskov-Hafen. In der Zeit vom 10. Januar 1943 bis zum 2. Oktober 1945 war das Schiff  wegen des Zweiten Weltkrieges außer Betrieb“, erzählt Benny Jacobson. Seit 2002 kümmert sich der Verein  zur Erhaltung der „Nakskov Havn 1“ um den Schlepper. „Zwischen den Jahren 2003 und 2005 mussten wir umfangreiche Renovierungsarbeiten vornehmen“, sagt Jacobson.

Finanziert wurden diese  zu einem Teil aus dem dänischen Schiffbewahrungsfonds. „Früher gab es solche Schlepper wie unseren in jedem Hafen. Heute sind wir der einzige im Originalzustand in ganz Dänemark“, weiß  Jacobson. Im Winter gehe die „Nakskov Havn 1“ erneut in die Werkstatt – für die Plankenrenovierung der Steuerbordseite. Dass das Schiff vor der Renovierung  noch einmal nach Rostock gekommen ist, habe einen ganz besonderen Grund: „Wir wollen die deutsch-dänische Freundschaft pflegen, uns die Schiffe der Hanse Sail ansehen und neue Kontakte knüpfen“, sagt Jacobson.

Und zum  Abschluss der Sail wird die „Nakskov Havn 1“ den Frachtsegler „Tres Hombres“ aus dem Hafen ziehen.

Ganz royal – „Tre Kronor af Stockholm“
Rostock Dass die Hanse Sail jedes  Jahr viele internationale und hochkarätige Gäste anzieht, ist schon längst kein Geheimnis mehr. In ihrem 24. Jahr kann die Veranstaltung sogar mit royalem Besuch auftrumpfen. Zum ersten Mal ist die schwedische Brigg „Tre Kronor af Stockholm“ dabei. Das 46 Meter lange Schiff steht unter der Schirmherrschaft des schwedischen Königshauses – und bringt an diesem Wochenende besonderen Glanz in den Stadthafen.

Der Grundstein für den königlichen Besuch ist schon vor mehr als zehn Jahren gelegt worden. Denn 2003 sind Holger Bellgardt vom Hanse Sail Büro und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) in die schwedische Hauptstadt gereist, um im Namen des  Hanse Sail Vereins  500 Euro für den Bau des Schiffs zu spenden. Drei Jahre später war die Brigg schließlich fertig, 2007 konnten schon erste Segelversuche unternommen werden.

Ihre offizielle Jungfernfahrt hatte die „Tre Kronor af Stockholm“ 2008. Seitdem wird sie vielfältig eingesetzt. So wird die Brigg nicht nur für das Segeltrainig verwendet, sondern dient darüber hinaus auch als fahrendes Museum und Botschafterin ihrer Heimatstadt Stockholm. Den Unterhalt des Schiffes bestreiten die Betreiber durch Spenden von Privatpersonen und Firmen, die in dem Verein Briggen Tre Kronor organisiert sind.

Die Besucher der 24. Hanse Sail sind jetzt schon begeistert von dem royalen Segler. Viele lassen sich mit   ihm  fotografieren  oder nehmen gleich an einer der zahlreichen Ausfahrten teil.

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