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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 06:52 Uhr

Prozess Rostock : Hansa-Fan soll ins Gefängnis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anklagebehörde hält wegen Körperverletzung über vier Jahre für angemessen

von
erstellt am 25.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Weil er Steine auf Polizisten geworfen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft für einen 33-jährigen Hansa-Fan vier Jahre und neun Monate Gefängnis beantragt. Die Ankläger sind überzeugt, dass der Schiffsoffizier Kristian S. jener Vermummte war, der unter anderem im November 2014 am Rande des Hansa-Spiels gegen Dresden einen zwei Kilogramm schweren so genannten Katzenkopf von oben auf einen Beamten herunterschleuderte. Trotz seiner Schutzkleidung soll der an den Rippen verletzte Polizist zu Boden gegangen sein.

Anfangs hatte die Staatsanwaltschaft den Steinwurf als versuchten Totschlag gewertet. Nach dem zehn Monate dauernden Indizienprozess am Landgericht Rostock wirft sie dem Hansa-Fan „nur“ noch schwere Körperverletzung vor. Bereits einige Minuten zuvor soll Kristian S. Steine auf Polizisten geworfen haben. Ihm werden zudem Steinwürfe im April 2014 während des Spiels von Hansa gegen Leipzig zur Last gelegt.

Während beider Spiele kam es zu Randale zwischen den Fan-Gruppen beider Vereine, wie auch zu Angriffen auf die Polizei. Während des Leipzig-Spiels flogen sogar Teile der Stadion-Toiletten durch die Luft. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft begann die Randale keineswegs spontan.

„Alle waren sich einig: Es geht auf die Polizei“, so der Staatsanwalt. Er zählt Kristian S., der einen tiefen Hass „auf den Staat“ habe, zur linksradikalen Szene. Obwohl der Steinewerfer jeweils vermummt war und teilweise unterschiedliche Kleidung trug, will der Staatsanwalt Kristian S. auf Polizeivideos an Körperhaltung, Statur und typischen Bewegungen erkannt haben. Der Steinewerfer soll zwischendurch die Jacke getauscht oder dunkle Strümpfe über die auffälligen Turnschuhe gezogen haben. Außerdem habe Kristian S. in der Untersuchungshaft die Steinwürfe gegenüber einem Mithäftling gestanden.

Kristian S. hat die Taten pauschal bestritten. Ansonsten schwieg er vor Gericht. Einer seiner beiden Verteidiger säte Zweifel an den Indizien. Der Mithäftling sei unglaubwürdig und der Steinewerfer auf den Videos nicht als Kristian S. zu identifizieren. Auch fragte er, warum die Verletzung des einen Polizisten „überdramatisiert“ worden sei – womit er keineswegs Steinwürfe auf Polizisten rechtfertigen wollte. Er beantragte Freispruch für Kristian S., obwohl er, wie er sagte, glaubt, dass das Gericht ihn schuldig sprechen wird. Kristian S. saß 13 Monate in Untersuchungshaft – zu lange, wie das Oberlandesgericht im Januar befand. Seitdem war der Angeklagte eine Weile Praktikant bei seinem zweiten Verteidiger. Mit diesem besuchte er unter anderem einen Häftling in der Justizvollzugsanstalt Stralsund. Der Mann sollte in Kristian S.’s Prozess als Entlastungszeuge aussagen, was er allerdings dann nicht tat.

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