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Interview mit Trainer- Legende Ulli Wegner : "Hansa? Das tut richtig weh"

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Ulli Wegner, einer der erfolgreichsten Box-Trainer der Welt, hat gestern in Rostock aus dem Inhalt seiner Biografie "Mein Leben in 13 Runden" berichtet. NNN-Redakteur Peter Richter sprach exklusiv mit dem Kult-Coach.

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erstellt am 27.Mär.2012 | 10:04 Uhr

Rostock | Ulli Wegner, einer der erfolgreichsten Box-Trainer der Welt, hat gestern in der voll besetzten Universitätsbuchhandlung Weiland vor etwa 150 Menschen aus dem Inhalt seiner Biografie "Mein Leben in 13 Runden" berichtet. NNN-Redakteur Peter Richter sprach mit dem Kult-Coach - und konnte ihm sogar exklusiv eine Geschichte entlocken, die nicht im Buch zu finden ist.

Herr Wegner, Ihr Besuch ist gewissermaßen eine Rückkehr. Wann waren Sie vorher zuletzt in Rostock?

Wegner: Das ist schon eine ganze Zeit her. Ich habe 2007 meinen 65. in Warnemünde gefeiert. Wir waren im ,Kettenkasten’ und hatten da einen Alleinunterhalter, das ist richtig schön gemütlich gewesen. Im Hotel Neptun haben wir weitergefeiert, dann lief die ,Aida’ aus, und es gab sogar noch ein Feuerwerk!

Zurück zu den Anfängen: Sie sind ja als junger Mann hier in Rostock überhaupt erst zum Boxen gekommen.

Ich bin zur Marine gegangen. Nicht, weil ich zur See fahren wollte - obwohl ich von der Ostsee immer wieder beeindruckt und ein Fan von ihr bin. Sondern mit der Absicht, beim damaligen ASK Vorwärts in der DDR-Liga Fußball zu spielen. Die Trainer hatten mir gesagt, dass ich athletischen Nachholbedarf habe. Nur deshalb habe ich bei den Boxern gefragt, ob ich da mitmachen darf. Ich war ja schon 19, also in einem Alter, in dem man die Sportart nur noch in Ausnahmefällen wechselt. Das ist ziemlich ungewöhnlich gewesen. Aber ich war ein relativ guter Läufer und in vielen Sportarten bewandert. Beim Boxen habe ich wahrscheinlich ein bisschen besser ausgesehen als die anderen, und dann hat mich das gereizt. Wir wohnten in der Tschaikowski-

straße gegenüber der Sporthalle. Ich erinnere mich, dass damals vieles auf mich einstürzte. Die Schiffe, der Hafen, alles war für mich be-

eindruckend. Rostock hat mich fasziniert.

Fasziniert, das klang schon an, sind Sie auch vom Fußball. Was sagt ein Ehrenmitglied des 1. FC Köln zur Situation des FC Hansa?

Das tut ja richtig weh. Ich mag gar nicht auf die Tabelle gucken. Ganz unten, das ist ja so schrecklich! Und jetzt

gehen die noch tiefer. Es ist doch normal, dass man als ehemaliger Ossi auch an Hansa hängt, da ist immer ein bisschen Herzblut dabei. Leider sind die wohl nicht zu retten. Ganz schlimm. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mich fasziniert immer dieses Seidenkittelchen, das Sie bei den Kämpfen tragen. Gibt es diese Kleidungsstücke eigentlich zu kaufen?

Wir lassen die immer anfertigen. Ich hatte ja zuerst einen schönen weißen Trainermantel, aber ein Fan hatte mal so lange gebettelt, da habe ich den weggegeben.

Derzeit haben Sie einen blauen, der Biografie zufolge Ihr Glücksbringer. Dabei geht es eigentlich gar nicht so sehr um den Kittel selbst als um das, was sich in seiner Tasche befindet...

Ja, das stimmt. 1995 sind wir zum Weltcup-Turnier nach Bangkok geflogen. Dort bekam ich von einem rumänischen Kollegen eine Münze geschenkt. Meine Kämpfer haben damals zwei erste Plätze, zwei zweite und einen dritten belegt. Seitdem ist dieses Geldstück immer bei mir. Einmal hatte ich es vergessen, da habe ich den Fahrdienst zurück ins Hotel geschickt, um es aus meinem Portmonee zu holen. Ich war schon völlig nervös. Ja, und diese 100-Lei-Münze habe ich bei den Kämpfen immer in der Manteltasche. Die wird da mit Tape festgeklebt.

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