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Rostock : Handwerkstester legen Stopp ein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Auf ihrer Deutschlandtour lernen Charlotte Stanke und Marvin Möller den Beruf des Seilers im Fischereihafen kennen #wirkoennenrichtig

von
erstellt am 16.Sep.2017 | 08:00 Uhr

Müller oder Ofenbauer benötigen heute eher Kenntnisse über ihre Maschinen, als dass sie noch selbst in der Produktion Hand anlegen müssen. Das haben Charlotte Stanke und Marvin Möller schnell festgestellt. Die beiden reisen derzeit als Rekordpraktikanten durch die ganze Republik und probieren 44 Handwerksberufe aus. Schnupperkurse gab es unter anderem beim Dachdecker, Elektroniker, Buchbinder, Zahntechniker und Glasveredler.

Donnerstag und Freitag legte das Duo einen Stopp bei der Rofia Kloska GmbH im Rostocker Fischereihafen ein. Dort lernten die beiden von Produktionsleiter Stefan Lehmann mehr über die Arbeit eines Seilers. Erste Überraschung, so Marvin: „Ich dachte ein Seiler macht nur Seile – und nicht auch Netze.“ Letztere kommen zum Beispiel in der Fischerei, auf Baustellen, Kreuzfahrtschiffen, Sportplätzen oder in der Landwirtschaft zum Einsatz, erklärt Lehmann, der 1999 im Betrieb angefangen hat und immer noch dabei ist.

„Wir bilden aus, um die Leute auch zu übernehmen“, sagt sein Chef Ralf Köhn. Aktuell seien alle drei Lehrlingsplätze im Betrieb besetzt. „Das Handwerk ist wieder im Aufwind“, stellt auch Jens-Uwe Hopf fest, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. „In diesem Jahr haben wir erstmals in unserer Geschichte 1000 neue Auszubildende, das ist ein Plus von fünf Prozent“, sagt er. Das zeige, wie stark die Attraktivität der Branche gestiegen sei. Allerdings gebe es derzeit immer noch 380 freie Stellen. „Ein Grund ist die demografische Entwicklung. Zudem sind einige Jugendliche trotz Schulabschluss noch unsicher, wie es beruflich weitergehen soll“, sagt Hopf.

Charlotte und Marvin geht es ähnlich. Sie können sich aber eine Karriere in einem handwerklichen Beruf vorstellen. „Ich favorisiere momentan die Fotografie“, sagt die 19-Jährige. Ab Montag könnte sich das noch einmal ändern – dann darf die begeisterte Reiterin in der Sattlerei Hennig im brandenburgischen Haage mitarbeiten. Für ihr Pferd zu Hause in Flensburg hat sie in der Rostocker Seilerei auch schon ein Futternetz gewebt. „Das ist eigentlich ziemlich einfach“, stellt sie fest.

Außerdem gab es noch eine kleine Einführung in die Knotenlehre und ins Spleißen. „Das hat Spaß gemacht, sie haben sich sehr bemüht, uns zu beschäftigen“, freut sich Marvin. „Die Mitarbeiter waren alle nett und entspannt“, sagt auch Charlotte. Diese Erfahrung hätten die beiden auf ihrer Deutschlandtour nicht in allen Unternehmen gemacht. Seinen absoluten Traumberuf habe er zwar noch nicht gefunden, erklärt Marvin, dankbar für die Einblicke ist er trotzdem: „Die Chance hat kein anderer, mal eben so 44 Berufe anzugucken“, so der 18-Jährige aus Hamburg.

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