Hamburger SPD will Melzer abwerben

Im Gespräch für den Posten der Bezirksamtsleiterin Hamburg-Altona: Dr. Liane Melzer georg scharnweber
Im Gespräch für den Posten der Bezirksamtsleiterin Hamburg-Altona: Dr. Liane Melzer georg scharnweber

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24. Mai 2013, 09:26 Uhr

Rostock | Rostocks Sozial- und Kultursenatorin Dr. Liane Melzer (SPD) erwägt offenbar einen Wechsel nach Hamburg. Dort wird sie als mögliche neue Bezirksamtsleiterin für den Regierungsbezirk Altona gehandelt. Am Montag tagt der Altonaer Koalitionsausschuss dazu, für Donnerstag ist die Wahl in der Bezirksversammlung angesetzt.

Melzer will sich zu einem möglichen Wechsel noch nicht äußern und verweist auf das laufende Verfahren. "Es ist noch überhaupt nichts entschieden", sagt die 60-jährige Juristin. Seit Oktober 2008 verantwortet Melzer in Rostock das Ressort Jugend, Soziales, Gesundheit, Schule, Sport und Kultur. Ihre Amtszeit läuft noch bis 2015.

Langes Tauziehen um Posten des Bezirksbürgermeisters

Die Stelle in Hamburg soll zum 15. Juli für sechs Jahre besetzt werden. Als Bezirksamtsleiterin würde Melzer politisch aufsteigen. Der Posten wird auch als "Bürgermeister von Altona" bezeichnet, Melzer stünde damit direkt unter Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholze (SPD) - vergleichbar etwa mit einem Landrat oder Oberbürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern. Der Leiter des Altonaer Bezirksamtes trägt Verantwortung für etwa 1000 Mitarbeiter.

Um die Besetzung der Stelle hatte es in der rot-grünen Koalition ein langes Tauziehen gegeben. Mit Melzer haben die Sozialdemokraten offenbar eine Kandidatin gefunden, die auch die Grünen in der Altonaer Bezirksversammlung mittragen wollen. Für Montag wird eine offizielle Mitteilung der Koalitionspartner erwartet. Auf die im Januar ausgeschriebene Stelle hatte es ursprünglich 19 Bewerbungen gegeben.

In Hamburg-Altona kennt sich Melzer bereits aus: Bevor sie nach Rostock kam, war sie dort sieben Jahre als Dezernentin für Jugend, Soziales und Gesundheit tätig. Der Regierungsbezirk ist mit etwa 260 000 Einwohnern einer der größten Hamburgs.

Gespanntes Verhältnis zum Stadtoberhaupt

In Rostock trägt Melzer Verantwortung für den größten Senatsbereich im Rathaus. In ihrer bisherigen Amtszeit hat sie unter anderem die kulturpolitischen Leitlinien für die Hansestadt auf den Weg gebracht. Aus der Bürgerschaft gab es hin und wieder kritische Stimmen: Einen derart großen Senatsbereich könne die Senatorin nicht allein bewältigen. Auch in ihrer Funktion als Aufsichtsratsvorsitzende des Volkstheaters wurde Melzer oft angegriffen.

Besonders groß waren die Spannungen in letzter Zeit zwischen ihr und Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Methling wollte im Sommer 2012 über Melzers Kopf hinweg Strukturen im Kulturressort ändern, ihr Bereiche wie das Kulturamt und das Amt für Denkmalpflege wegnehmen und sich selbst zuordnen. Der Oberbürgermeister begründete seine Entscheidung mit fachlichen Fehlern und Melzers grundsätzlicher Überforderung mit ihrem Aufgabenbereich. Von der Bürgerschaft erntete Methling dafür allerdings heftige Kritik. Die Fraktionen protestierten gegen seine Umstrukturierungspläne.

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