zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 08:09 Uhr

Haigebiss und gefälschtes Viagra

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2012 | 09:48 Uhr

Stralsund | Mehr Schwarzarbeit und weniger Schmuggelzigaretten: Mit einer Schadenssumme von 8,7 Millionen Euro hat der Zoll im Jahr 2011 in Mecklenburg-Vorpommern mehr Fälle von Schwarzarbeit aufgedeckt als im Vorjahr, als sich die ermittelten Schäden für den Fiskus und die Sozialversicherungen noch auf 7,8 Millionen Euro beliefen. Dagegen wurden 2011 mit 2,1 Millionen Schmuggelzigaretten und 138 Kilogramm Tabak deutlich weniger illegale Rauchwaren aus dem Verkehr gezogen als 2011 mit 3,1 Millionen Zigaretten.

Insgesamt trieb der Zoll in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr 618,4 Millionen Euro an Steuern und Zöllen ein - rund 105 Millionen weniger als 2010. Vor allem die Einnahmen bei der Energiesteuer und der Einfuhrumsatzsteuer gingen zurück, wie der Leiter des Hauptzollamts Harry Thür am gestrigen Dienstag in Stralsund sagte. Diese Entwicklung sei auf die schwierige Wirtschaftslage vor allem bei den Werften und sinkende Importe aus Osteuropa zurückzuführen.

Den Anstieg bei der Aufdeckung von Schwarzarbeit begründete das Hauptzollamt mit dem hohen Verfolgungsdruck. Landesweit wurden 23 000 Arbeitgeber und Arbeitnehmer kontrolliert - 1500 mehr als 2010.

Als Schwerpunktbereiche für die Nichtzahlung von Mindestlöhnen, illegale Beschäftigung oder für die Nichtabführung von Sozialleistungen gelten im Nordosten die Baubranche, das Reinigungs- und Speditionsgewerbe, die Pflegebranche und die Gastronomie. Insgesamt wurden 3900 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten und weitere 3000 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet sowie 19 Freiheitsstrafen erwirkt.

"Mit welcher Dreistigkeit betrogen wird, ist teilweise erschreckend", sagte Thür. Nach einer Großkontrolle im vergangenen Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit gegen eine Reinigungsfirma, die den Sozialversicherungsträgern insgesamt 1,1 Millionen Euro vorenthalten haben soll. Dabei hätten die offiziell geringfügig Beschäftigten zusätzliche Schwarzlohnzahlungen an der Steuer und den Sozialversicherungsträgern vorbei erhalten, sagte der Vizechef der Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Ralf Bittner.

Gegen 300 frühere und jetzige Arbeitnehmer wurden Verfahren wegen Betruges und Beihilfe zum Betrug eingeleitet. Sie sollen Arbeitsagenturen und Jobcenter um 640 000 Euro betrogen haben. Der Rückgang bei den beschlagnahmten Schmuggelzigaretten ist nach Auffassung der Zöllner nicht darauf zurückzuführen, dass weniger geschmuggelt wird. "Die Schmuggler haben ihre Strategien verändert", sagt Thür. Um das Verlustrisiko zu minimieren, werde das Schmuggelgut in kleinere Mengen aufgeteilt. Typisch waren im vergangenen Jahr Kontrollen, bei denen die Beamten 5000 bis 10 000 Schmuggelzigaretten beschlagnahmten. Den "Klassiker" von fünf Millionen Zigaretten hinter Holzpaletten auf einem LKW-Trailer gebe es nicht mehr.

Skurril, aber ebenso illegal ist die Einfuhr von bedrohten Pflanzen und Tieren. Alarmiert durch den üblen Geruch entdeckten Zöllner in Neubrandenburg in einer Postsendung das Gebiss eines Weißen Hais.

Der Sammler hatte das Gebiss über das Internet bestellt - in der Hoffnung, dass die Einfuhr unentdeckt bleibt. Ihm droht nun ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen. Das Gebiss gehört inzwischen zur Sammlung des Deutschen Meeresmuseums.

Auch Potenzmittel und Anabolika finden verstärkt den Weg nach MV. Einfallstor dafür ist vor allem der Flughafen Rostock-Laage. Dort landen Maschinen aus Ägypten und der Türkei, wo Arzneimittel als preiswert gelten. "Es ist schon öfter vorgekommen, dass ein Mann seinen Halbjahresbedarf an Viagra im Gepäck hatte", sagte Zollamtsinspektor Dräger. Ermittelt werde wegen Markenfälschungen und Überschreitung der Einfuhrmengen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen