zur Navigation springen

Kreuzliner kommen : Hafenarzt: Rostock mit Vorreiterrolle

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Modellversuch startet am Montag

von
erstellt am 03.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Seit drei Jahren ist die Stelle des Hafenarztes in Rostock nicht mehr besetzt. Dabei ist dessen Anwesenheit seit März 2013 für die fünf deutschen Häfen mit überregionaler Bedeutung verpflichtend. Aus der Not heraus schlägt die Hansestadt nun einen anderen Weg ein: Sie arbeitet mit dem Südstadtklinikum zusammen.

Ab Montag beginnt der zunächst auf ein Jahr befristete Modellversuch. Dann startet die Kreuzfahrt- und damit die Hochsaison im Hafen. „Wir beschreiten hier als Hansestadt Rostock ein völlig neues Gebiet“, sagt Dr. Markus Schwarz, Chef des Gesundheitsamtes. Bislang musste er zusammen mit einer weiteren Kollegin und zwei Hygieneinspektoren die unbesetzte Stelle ausgleichen, zu Lasten der eigentlichen Arbeit und der Angehörigen. „Jedes Wochenende im Einsatz – das kann man familiär nicht kommunizieren“, sagt Schwarz.

Nun wird das Team von fünf Ärzten des Klinikums Süd verstärkt, die zuvor eine Schulung durchlaufen. „Sie müssen sich der Auswirkungen ihrer Entscheidungen bewusst sein“, sagt Schwarz – im Ernstfall können sie für 4000 Passagiere eine Ausgangssperre verhängen. „Da reicht es, wenn 20 Kranke an Bord sind und der Arzt weiß nicht, was die Ursache ist“, so der Amtschef. Eine der größten Sorgen gelte dem Ausbruch einer unbekannten Influenza.

Einen solchen Fall haben die beteiligten Einrichtungen Mitte April geprobt. Einbezogen waren unter anderem die Hafen-Entwicklungsgesellschaft, das Brandschutz- und Rettungsamt, Landesamt für Gesundheit und Soziales, Ordnungsamt und Bundespolizei. Sie wollten etwa klären, wie bei einem Passagierwechsel vorzugehen ist, bei dem etliche Menschen krank von Bord gehen. Dann müssen beispielsweise die Gesundheitsämter ihrer Heimatregionen unterrichtet und das Schiff desinfiziert werden.

Hauptziel ihrer Arbeit sei es, den Ausbruch von Seuchen zu verhindern, so Schwarz. Er sagt: „In 95 Prozent aller Anläufe ist nichts, aber es gibt immer drei, vier betroffene Schiffe im Jahr.“ Da bilde Rostock keine Ausnahme im Vergleich zu anderen großen Hafenstädten wie Hamburg, Kiel, Bremen und Bremerhaven.

Die hätten ebenfalls große Probleme bei der Einhaltung der neuen Vorschriften. „Bislang hat noch keiner den Königsweg gefunden“, so Schwarz. Die neuen Gesetze würden einen erheblichen Arbeitsaufwand bedeuten. Denn sie besagen, dass der Hafenarzt zwingend auf ein Schiff muss, sobald dieses auch nur einen Kranken an Bord hat. Gerade bei den Kreuzlinern sei das immer der Fall, so Schwarz: „Bei 2000, 3000 Menschen ist immer jemand krank.“ Im Umkehrschluss heißt das, das der Hafenarzt bei jedem der 178 Kreuzfahrt-Anläufe parat stehen muss. Die anderen Schiffe gibt es als Zugabe oben drauf.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen