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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. August 2017 | 16:07 Uhr

Hafenarbeiter-Streik abgewendet

vom

ROstock | Gut zehn Jahre mussten die Mitarbeiter vom Rostocker Gesamthafenbetrieb (GHB) nach Angaben ihrer Gewerkschaft Verdi auf eine Lohnerhöhung warten. Nun haben sich die Verhandlungspartner auf einen neuen Haustarif geeinigt. Demnach bekommen die 71 Angestellten im nächsten Jahr drei Prozent mehr Lohn sowie eine Einmalzahlung von 300 bis 350 Euro, je nach Gehalt. Netto ergibt das ein Plus von 4,1 Prozent.

"Zwischendurch drohten die Verhandlungen zu scheitern", sagt Verdi-Vertreter Gerhard Mette. Die Gewerkschaft hatte schon alle Vorbereitungen für einen Streik getroffen. Ihre Forderung von 7,5 Prozent konnte sie aber trotzdem nicht durchsetzen. "Wir hatten uns deutlich mehr erhofft", sagt Mette. Die Zustimmung kam vor allem zustande, weil der gleichzeitig ausgehandelte Eingruppierungstarifvertrag nun alle Beschäftigten einschließt. Außerdem zogen die Arbeitgeber ihre Forderung zurück, das Weihnachtsgeld 2011 zu streichen. "Die Beschäftigten sollten ihre eigene Lohnerhöhung bezahlen beziehungsweise überbezahlen", sagt Mette. Gegengerechnet hätten sie 105 000 Euro Minus gemacht.

Die in der Gesamthafenbetriebsgesellschaft organisierten Arbeitgeber hatten zunächst 1,75 Prozent mehr Gehalt geboten. Das ist nun aber vom Tisch. "Weihnachts-, Urlaubs- und Urlaubsentgeld wurden nicht angetastet", sagt Geschäftsführer Rüdiger Kamrau. Die Zusatzgage müsse jetzt aber umgelegt werden. Er hoffe, dass deswegen keine Aufträge wegbrechen. Bis ins vergangene Jahr hinein habe noch ein Beschäftigungssicherungsvertrag bestanden. Der nun ausgehandelte Tarif ist vorerst ein Jahr gültig und tritt am 1. Januar in Kraft.

Wirklich glücklich sind beide Seiten nicht. "Jeder Abschluss ist ein Kompromiss, von daher kann man jetzt nicht zufrieden sein", sagt der Geschäftsführer. Und die Arbeitnehmer haben mit dem Abschluss weder ihren derzeitigen Reallohnverlust von 4,6 Prozent ausgeglichen, noch die 30 Prozent geringere Kaufkraft im Vergleich zu der vor zehn Jahren. Außerdem werden sie im Vergleich zu Beschäftigten in anderen Gesamthafenbetrieben wie Hamburg oder Bremen deutlich schlechter bezahlt. "Das gilt für ganz MV", so Mette. Grund sei der lange Jahre zu hohe Personalbestand gewesen, der sich nun aber dem Warenumschlag angepasst habe.

Über den GHB können die Firmen im Seehafen kurzfristig ihre Arbeitskräfte aufstocken. Das Modell ist vergleichbar mit einer Zeitarbeitsfirma. "Wir sind aber ein sozialer Arbeitgeber, dessen Ziel es ist, unstetig Beschäftigten eine stetige Beschäftigung zu vermitteln", sagt Kamrau. Gesellschafter des Rostocker Gesamthafenbetriebs sind die Firmen im Seehafen sowie die Gewerkschaft Verdi. Diese will mit dem Modell verhindern, dass hafenaffine Betriebe auf private Leiharbeiterfirmen zurückgreifen, da diese schlechtere Konditionen bieten.

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erstellt am 14.Dez.2011 | 08:35 Uhr

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