Seehafen : Güterboom in Rostock

Eine Vertiefung des Seekanals würde auch größeren Schiffen mit mehr Ladung die Einfahrt nach Rostock ermöglichen. Das würde die Umschlagszahlen des Rostocker Hafens positiv beeinflussen.
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Eine Vertiefung des Seekanals würde auch größeren Schiffen mit mehr Ladung die Einfahrt nach Rostock ermöglichen. Das würde die Umschlagszahlen des Rostocker Hafens positiv beeinflussen.

Mehr Erz, Getreide, Trailer: Prognose für Hafen besser als bekannt. Verdoppelt sich der Umschlag bis 2030?

svz.de von
12. Dezember 2014, 09:00 Uhr

Der Hafen Rostock wird in den kommenden Jahren deutlich mehr Güter sowie Fracht von Fährschiffen umschlagen als bisher angenommen. Erze, Getreide, Futtermittel, Kohle, Baustoffe, dazu Waren auf Trailern: Bis 2030 rechnen Experten mit einem Ladungszuwachs von durchschnittlich 2,2 bis 2,5 Prozent im Jahr. Das geht aus einem gestern vorgestellten Gutachten des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) aus Bremen hervor.

Nach einem so genannten Potenzialszenario, das auch auf dem Ausbau des Seekanals vor Rostock beruht, könnten sogar um bis zu 3,6 Prozent mehr Waren an Rostocks Kaikanten umgeschlagen werden – insgesamt knapp 40 Millionen Tonnen, etwa doppelt so viel wie 2010. Nach der Krise 2009 gehe es seit 2012 wieder „deutlich bergauf“, erklärte Studienautor Prof. Burkhard Lemper. Die Ansiedlungen in den vergangenen 20 Jahren machten sich deutlich bemerkbar. Zuwächse erwarten die Gutachter vor allem im Fährverkehr: Der Umschlag von Ro-/Ro-Ladung könnte sich im günstigsten Fall verdoppeln – auf knapp 14 Millionen Tonnen netto. Angesichts des wachsenden Kostendrucks der Reeder mit der Einführung des schwefelarmen Treibstoffs ab 2015 biete Rostock gute Voraussetzungen, so der scheidende Hafenchef Ulrich Bauermeister. Hier beginne der kürzeste Seeweg von Deutschland nach Finnland.

Auf den wachsenden Güterverkehr ist Rostock indes vorbereitet: In den vergangenen acht Jahren flossen Investitionen von 206 Millionen Euro, so sei der Umbau des Fähr- und Ro-/Ro-Anlegers nahezu abgeschlossen. „Was mittelfristig zusätzlich an Gütern nach Rostock kommt, können wir umschlagen“, meint Bauermeister. Der Umschlag könnte ohne Weiteres sofort um 100 Prozent steigen.

Mit der selbst in Auftrag gegebenen Studie wehrt sich der größte deutsche Ostseehafen gegen eine im Frühjahr vorgelegte Prognose des Bundes, die lediglich ein Wachstum von 1,2 Prozent vorhersagt – deutlich weniger als im Schnitt der anderen deutschen Ostseehäfen. Ein überraschendes Ergebnis, da Rostock in den vergangenen Jahren regelmäßig mehr Güter umgeschlagen habe als Lübeck. Rostock lässt das Gutachten nicht gelten, verweist auf falsche Ist-Zahlen, fragwürdige Annahmen, in Teilen zweifelhafte Methodik. „Man hat eine sehr merkwürdige Entwicklung des gesamten Wirtschaftspotenzials im Einzugsgebiet des Hafens angenommen“, kritisierte Bauermeister. Da sei entweder Vorgaben des Auftraggebers gefolgt worden oder es lägen der Prognose nur beschränkte Kenntnisse über den Ostseeverkehr zugrunde.

Hinter der Berliner Prognose vermuten Experten den Versuch des Bundes, mit der Vorlage schlechter Daten für Rostock die derzeit geplante Vertiefung des Seekanals infrage zu stellen. Die Fahrrinne soll von 14,5 Meter auf 16,5 Meter ausgebaut werden, damit künftig größere Schiffe den einzigen deutschen Universalhafen an der Ostsee ansteuern können. Kosten: rund 100 Millionen Euro. Das Projekt ist derzeit zwar für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet, konkurriert dort aber mit Vorhaben anderer deutscher Häfen.

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