Umweltschaden : Grundwasser durch Dünger belastet

Maisbauern drohen Anbauverbote.
Maisbauern drohen Anbauverbote.

Minister Backhaus droht Maisbauern mit Anbauverbot. Projekt an Uni Rostock soll Lösungen bringen.

svz.de von
15. Juni 2016, 11:45 Uhr

Fast jeder zweite Grundwasserspeicher in MV ist in einem schlechten Zustand und weist zu hohe Belastungen auf: Nitratwerte, Ammonium, Chlorid, Sulfat.

Vor allem in West-, Nordwest- und Südmecklenburg, entlang der Ostseeküste, in Vorpommern und auf Rügen – 29 der 53 Grundwasserkörper seien zu stark belastet, kritisierte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern. 2009 waren es sieben. In den vergangenen Jahrzehnten seien die Phosphor-Einträge in die Gewässer von 1600 Tonnen jährlich auf 259 Tonnen reduziert worden. Auch die Stickstoffeinträge gingen zurück – von 13 510 auf 9191 Tonnen. Doch: Beim Wasser in MV hätte man „es mit einem Patienten zu tun“, so Backhaus.

Trotz vor Jahren eingeleiteter Maßnahmen zur Reduzierung der Nährstoffeinträge weist fast jede fünfte der 260 Grundwassermessstellen im Land Nitratwerte auf, die teilweise um ein Vielfaches über dem zulässigen Grenzwert von 50 Milligramm je Liter liegen – mit Gefahren für die Trinkwasserqualität. Aus dem Grundwasser werden in MV 85 Prozent des Trinkwassers gewonnen. Für den Menschen können hohe Nitratkonzentrationen schädlich sein.

Intensive Düngung, Gülle, Pflanzenschutzmittel: Die Landwirtschaft sei der Hauptverursacher der Wasserbelastungen, so Backhaus. Zwar dürfe man die Bauern nicht unter Generalverdacht stellen. In Nordwestmecklenburg aber auch auf den leichten Böden im Landkreis Ludwigslust-Parchim gebe es nach wie vor Tendenzen steigender Nährstoffeinträge. Grund dafür sei auch eine fehlende breite Fruchtfolge auf dem Feld. Stattdessen werde Jahr um Jahr Mais auf Mais angebaut, kritisiert der SPD-Politiker: Das müsse unterbrochen werden, zur Not per Gesetz. In einem vierjährigen Projekt sollen in MV neue Strategien entwickelt werden, um die umweltschädlichen Nährstoffeinträge von landwirtschaftlich genutzten Flächen in Gewässer zu verringern. Dieses Projekt der Uni Rostock fördert das Landwirtschaftsministerium mit 650 000 Euro. Erprobt werden sollen die Kombination von kontrollierter Drainage und reaktivem Graben mit Holzhackschnitzel sowie acker- und pflanzenbauliche Maßnahmen. Bei dem Projekt arbeiten Partner aus Forschung, Praxis und Unternehmensberatung unter Leitung der Uni zusammen. Neu und vielversprechend sei das Anlegen eines reaktiven Grabens, der mit dem organischen Füllmaterial Holzhackschnitzel versehen wird, so Professor Bernd Lennartz von der Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät der Rostocker Uni.

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