zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. November 2017 | 01:27 Uhr

Großes Haus - große Mängel

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 07:52 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Damit hatten die Planer nicht gerechnet. Als sie sich im Großen Haus an die Bauarbeiten machten, folgte eine böse Überraschung auf die nächste. "Die Bausubstanz ist deutlich schlechter, als wir erwartet haben", sagt Marc Hackmann, Geschäftsführer der Firma HKC, die mit den Planungen zur Ertüchtigung der Hauptspielstätte des Volkstheaters betraut ist. Waren er und die Theaterleitung auf Grundlage der Vorabgutachten noch von Kosten von rund 3,1 Millionen Euro ausgegangen, muss diese Summe mittlerweile deutlich nach oben korrigiert werden. Das finanzielle Fazit: Bis zu einem Drittel wird die Instandsetzung mehr kosten. Das sind rund eine Million Euro. "Grund dafür ist, das hier viel verschlissen war. Zahlreichen Bauteile haben auch komplett gefehlt", erklärt Hackmann.

Da war zum einen der Schadstoffanteil, der laut Hackmann wesentlich höher ausfiel, als angenommen. "Das hat Geld und Zeit gekostet", so Hackmann. Zum anderen wurden die Brandschutzmaßnahmen ausgeweitet. Denn in enger Absprache mit dem zuständigen Amt wurde deutlich, dass zur Sicherung des Publikumsverkehrs mehr getan werden musste, als ursprünglich erwartet. Nur so kann das Große Haus für die kommenden fünf Jahre weiter genutzt werden.

Stefan Rosinski, Geschäftsführer des Volkstheaters, ist mittlerweile Leid gewöhnt, wenn es um die Hauptbühne geht: "Die Stadt als Eigentümerin der Immobilie hat hier jahrelang nichts investiert. Es gab nur wenige strukturierte Einzelmaßnahmen." Entsprechend veraltet seien die Bausubstanz und die technischen Anlagen.

Hackmann berichtet: Beim Öffnen der Decken und Wände seien schlimme Abnutzungserscheinungen zutage getreten. So ist teilweise fingerbreit der Mörtel zwischen den Ziegeln herausgebröckelt. An anderen Stellen wurde sogar deutlich, dass schon bei der Herstellung gepfuscht worden ist.

"Wir haben uns darum bemüht, nicht die Substanz aufwändig zu erneuern", so Hackmann, "sondern lediglich die Anlagen, die für die Sicherheit der Veranstaltungsräume Sorge tragen, zu ertüchtigen." Mit Verschönerungen habe das nichts zu tun, betont Rosinski, auch wenn zumindest im Foyer und Garderobenbereich einige Ausbesserungsmaßnahmen geplant sind.

Allein der Einbau einer Sprinkleranlage im gesamten Veranstaltungsbereich verursachte Mehrkosten von 500 000 Euro. Diese Anlage muss nach den aktuellen Richtlinien vom städtischen Stromnetz unabhängig sein, damit ein Brand auch im Falle eines Stromausfalls gelöscht werden kann. Auch die Brandmeldeanlage muss netzunabhängig sein. Hier sollte eigentlich nur das Vorhandene ergänzt werden. Am Ende war dies doch in größerem Umfang nötig. Denn die drei Gutachter vom Brandschutzamt, die regelmäßig auf der Baustelle unterwegs sind, haben hohe Standards angesetzt. Verständlich, findet Rosinski, schließlich gehe es um die Sicherheit der Mitarbeiter und Theaterbesucher.

Für Ende Mai ist die Bauabnahme vorgesehen. "Wir wollen diesen Termin unbedingt halten", sagt Rosinski. Schließlich stehen die ersten Vorstellungstermine für die Bühne im Großen Haus bereits im Spielplan. Am 28. Mai wird mit "Carmina Burana" das letzte Mal im Theaterzelt gespielt. Schon am 9. Juni heißt es dann Vorhang auf im Patriotischen Weg. Dann soll die Spielstätte mit dem 10. Philharmonischen Konzert wiedereröffnet werden. Ein Sommerprogramm mit Kinderstück und der Wiederaufnahme von "West Side Story" ist vorgesehen. Natürlich gibt es einen Plan B, falls es mit der Fertigstellung der Hauptspielstätte nicht klappen sollte. Schließlich wäre zur Not die Halle 207 eine Option. Aber davon will Rosinski zum jetzigen Zeitpunkt lieber nicht ausgehen: "Denn das wäre aus betriebswirtschaftlicher Sicht in jedem Fall die schlechtere Variante." Damit es dazu nicht kommen muss und die Vorstellungsräume rechtzeitig fertig werden, haben sie bei den Arbeiten oberste Priorität.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen