Häuslebauer in MV : Größer, edler - neue Bautrends in MV

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Sie bauen größer, mit hochwertiger Ausstattung, behinderten- und altersgerecht, mit modernen Grundrissen und vor allem energieeffizienter: Norddeutschlands Hausbauer setzen neue Trends.

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14. Juni 2012, 08:39 Uhr

Schwerin | Sie bauen größer, mit hochwertiger Ausstattung, behinderten- und altersgerecht, mit modernen Grundrissen und vor allem energieeffizienter: Norddeutschlands Hausbauer setzen neue Trends.

Erst Eigenheime mit Krüppelwalm und Verblendermauerwerk, später Friesenhäuser, Stadtvillen, dann Häuser im Toscana- und Bauhausstil - in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Architektur deutlich geändert. "Bauen ist Modesache", meint Hans-Georg Kemper, Chef der Baufirma K.S.T. Karstädt. Inzwischen seien Bungalows gefragt. Selbst junge Bauherren denken stärker als früher ans Alter und bevorzugen den ebenerdigen Bungalow, sagte Kemper. "Ein großes Thema für etwa 80 Prozent der Bauherren", beobachtet Heidrun Walter, Innenarchitektin in Rostock.

Der Geschmack ändert sich, auch bei der Innenausstattung: Inzwischen würden die Norddeutschen stärker Innenarchitekten und Designer zu Rate ziehen, meint Walter. Die Häuslebauer setzten immer mehr Wert auf Qualität. Regenerative Heizungsanlagen, gute Wärmedämmung, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, modernste Haustechnik - "die Kunden fordern stärker als noch vor 20 Jahren eine solide Ausstattung", erklärt Kemper, der mit seinem Familienbetrieb zu den erfolg reichsten Herstellern von Architektenhäusern in Westmecklenburg und der Prignitz zählt. Rund 800 Häuser habe sein Unternehmen in den vergangenen 20 Jahren gebaut - "kein Haus ein zweites Mal". Weitere neue Häuser seien in der Entwicklung. So werde derzeit nach dem Energiekonzept 2020 ein hocheffizientes Haus entwickelt, in dem u. a. die notwendige Energie teilweise selbst erzeugt werden können, erklärt Kemper.

Keine Kunststofffenster mehr, stattdessen höherwertige Materialien: Viele hätten inzwischen ihr Haus abbezahlt und steckten das Geld in höherwertige Ausstattungen, fügt Walter hinzu. "Im Innenraum darf es inzwischen durchaus edler sein." Dort kämen verstärkt auch Naturmaterialien zum Einsatz.

Gebaut werde nicht mehr nur nach den "mehr als 100 Jahre alten Grundrissen". Die Norddeutschen lieben den Freiraum: Die Kunden legten immer mehr Wert auf größere Wohnflächen, beobachtet Walter. Da würden Wohnraum und Küche immer häufiger verbunden und mit hochwertiger Küchentechnik ausgestattet. 70 Quadratmeter für einen Wohnraum mit integrierter Küche seien durchaus keine Seltenheit mehr, so Walter.

Bauen liegt längst wieder im Trend: Die gute Konjunktur und billiges Baugeld haben den Wohnungsbau in Deutschland im vergangenen Jahr kräftig beflügelt - so stark wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. 2011 genehmigten Behörden bundesweit den Bau 228 400 Wohnungen - 21,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gebaut wurden vor allem mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern - plus 26,8 Prozent. In Einfamilienhäusern nahmen die Genehmigungen um knapp 20 Prozent zu, in Zweifamilienhäusern um 7,3 Prozent.

Noch kräftiger legte der Wohnungsbau in Mecklenburg-Vorpommern zu - fast 25 Prozent mehr Baugenehmigungen wurden im vergangenen Jahr erteilt. 5839 neue Wohnungen entstanden, so viel wie seit fünf Jahren nicht mehr. Außerdem waren 2630 neue Eigenheime genehmigt worden - plus 18,7 Prozent.

Der Zuspruch zum Eigentum sei ungebrochen, beobachtete beispielsweise die Hypovereinsbank in Norddeutschland. "Die Kunden investieren in Beton-Gold", erklärte Dieter Jurgeit, Chef der PSD-Bank Nord, kürzlich. Der Immobilienboom beschert der Baubranche einen kräftigen Auftragszuwachs: Im Herbst vergangenen Jahres verzeichneten die Betriebe in MV 72 Prozent mehr Ordereingänge als ein Jahr zuvor.

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