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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 06:35 Uhr

Rostock : Graffiti-Sprayer müssen selbst ran

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Arbeitsgruppe startet im Oktober einen Putz-Testlauf mit jugendlichen Tätern. Polizei, Gericht, Vereine und Maler ziehen mit.

„Das Viertel bleibt dreckig“ konstatiert ein Graffito an der Ecke Otto- und Kirchenstraße. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn die Arbeitsgruppe Graffiti des städtischen Präventionsrates setzt ein neues Modell um: Nach einem Vorbild aus Pforzheim, dem Anti-Graffiti-Mobil, sollen die jugendlichen Täter selbst bei der Entfernung ihrer Werke helfen. Durch professionelle Anleitung, Einbindung von Polizei sowie Amtsgericht und vor allem durch Ausdauer soll den Sprayern der Spaß genommen werden.

Die Kröpeliner-Tor-Vorstadt, aus der die Anregung für die Arbeitsgruppe kam, und letztlich die ganze Stadt sollen so sauberer werden. Der erste Testlauf ist für Oktober anvisiert, drei bis vier Aktionstage sollen 2015 folgen, sagt Matthias Siems, Mitglied des Ortsbeirates KTV und der Arbeitsgruppe Graffiti. Durch seine Mitgliedschaft im Verschönerungsverein zu Rostock konnte auf kurzem Weg ein Verein gewonnen werden, der das Modell mitträgt.

Und so läuft es: Der Hauseigentümer, dessen Fassade besprayt wurde, stellt Strafanzeige, die Polizei ermittelt und schnappt im Idealfall den Täter. Der wird vor Gericht vor die Wahl gestellt: Geldstrafe oder Putzen. Bußgelder aus Vandalismus-Taten gehen vom Amtsgericht an den Verschönerungsverein. Bei dem können der Haus- und Grundeigentümer-Verein oder die Geschädigten direkt einen Antrag auf Entfernung stellen. Dann rückt ein Maler-Team an und bindet Jugendliche, die Hauswände unerlaubt besprayt haben, in die Entfernung ein.

Was langwierig klingt, kann sehr schnell und effektiv laufen, erklärt Siems. Wenn neue Graffiti binnen eines Tages immer wieder entfernt werden, verlieren die Täter die Lust, prognostiziert er. Das zeige das Beispiel in Pforzheim. Die Stadt ist nahezu graffitifrei. Für Rostock werde das schwierig, „dazu ist es einfach zu groß“, sagt Siems. Aber das sei kein Grund, es nicht anzugehen. „Wenn wir erste Straßenzüge graffitifrei kriegen, ist das großartig“, befindet er. Für den Testlauf muss der Stein erst mal ins Rollen kommen und noch dauert das ein wenig. Doch der Haus- und Grundeigentümer-Verein springt notfalls ein und finanziert die Materialkosten.

Und auch der Maler aus Rostock bringt sich ehrenamtlich ein, „weil ich für ein schönes Rostock bin“, sagt Mario Stoll, der einen eigenen Hausmeisterservice in Bentwisch führt. Mit zwei Kollegen will er die Jugendlichen mit Schutzkleidung ausrüsten und anleiten – „schließlich arbeiten wir auch mit Chemikalien“, sagt er. Auf Graffiti-Entfernung hat er sich seit 1997 spezialisiert. „Es gibt tolle Graffiti“, sagt er selbst. Aber die meisten seien nun mal wenig kunstvoll. Und so bekommt sein Service 20 bis 30 Aufträge die Woche. Erst bestimmt er mit einem Messgerät die Farbe der Fassaden, sodass er sie elektronisch anmischen kann. Bei Stein, Klinker und Marmor wird die Oberfläche gereinigt. Ein allerdings kostenintensiveres Permanentschutzsystem bewirkt, dass Eigentümer die besprayte Wand nur abwischen brauchen.

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