Wettkampf : Goldener Sonnabend für Ringer-Juniorinnen

Fast hingeschmissen und am Ende Deutsche Meisterin: Angelina Purschke, hier bei ihrem 4:0-Punktsieg zum Auftakt der Deutschen Meisterschaften gegen die Württembergerin Maren Vornberger, zeigte eine unglaubliche Willensleistung.
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Fast hingeschmissen und am Ende Deutsche Meisterin: Angelina Purschke, hier bei ihrem 4:0-Punktsieg zum Auftakt der Deutschen Meisterschaften gegen die Württembergerin Maren Vornberger, zeigte eine unglaubliche Willensleistung.

Glücklicher Gastgeber SV Warnemünde: Drei Titel für March und die Purschke-Zwillinge, Silber für Lüttge

svz.de von
11. Juni 2018, 05:00 Uhr

Mehr wäre nur in der Theorie gegangen. Es war ein goldener Sonnabend für den SV Warnemünde: Der Ausrichter der Deutschen Meisterschaften im Ringen der weiblichen Jugend wiederholte mit dreimal Gold und einmal Silber sein grandioses Abschneiden aus dem Vorjahr.

Unangefochten zog Rebekka March (Gewichtsklasse bis 46 Kilogramm) ihre „Kreise“. Einschließlich des Final-Duells mit der Deutschen Meisterin bei den älteren Juniorinnen, Anna Iuliani (Michelstadt), fuhr sie ihre Schultersiege zwei bis vier an diesem Wochenende ein.

Josefine Purschke (53 kg) machte ihre Sache sehr souverän. Nur am Sonnabendmorgen kam mal so etwas wie Spannung auf, als im Vergleich mit Olivia Andrich die Berlinerin vom SV Luftfahrt wenige Sekunden vor Schluss zum 2:2 ausglich, doch gab hier die höhere Wertung den Ausschlag zu „Josis“ Gunsten. Es folgten zwei Erfolge nach Punkten bzw. mit technischer Überlegenheit sowie das mit Schultersieg triumphal beendete Finale gegen Mia Oswald (Korb).

Martina Göhringer, Referentin Frauenringen im DRB-Präsidium

„Direkt in Warnemünde bin ich zum ersten Mal. Ich hoffe, dass ich später noch die Gelegenheit zu einem Abstecher an den Strand habe. Der SV Warnemünde hat diese Meisterschaften hervorragend ausgerichtet. Ich bin sehr zufrieden.“

Ralf Lenz, 22 x Deutscher Veteranen-Meister, Hallensprecher

„Ich habe es von Anfang an gutgeheißen, dass auch die Mädels ringen, weil das Ausdauer, Gewandtheit und Fitness mit sich bringt und auch für den Kopf gut ist. Beim SV Warnemünde hat sich da etwas Tolles entwickelt.“

Dr. Christine Kühn, DM-Ärztin und Judoka

„Es gab nur kleine normale Verletzungen. Für mich ist das hier ein Freundschaftsdienst. Ich kenne ja die Ringer ganz gut, wir trainieren auch zusammen, und da mache ich das gerne. Ich staune, dass so viele Mädchen ringen.“

Hans Wittkowski (SV Warnemünde), Cheforganisator

„Es ist alles reibungslos gelaufen. Ich habe nur Lob gehört von den Gästen. Auch die Wettkampfleitung hat vorzüglich gearbeitet. Und erneut drei Titel – einfach toll! Hervorzuheben ist die große Willensleistung von Angelina Purschke.“

Rainer Kamm, Halle (Saale), Bundestrainer weibliche Jugend

„Hut ab vor den Gastgebern. Wie man es von den Warnemündern nicht anders gewohnt ist, haben sie den Wettkampf ordentlich und auf einem entsprechenden Niveau organisiert – einer Deutschen Meisterschaft würdig.“

 

Größten Respekt verdiente sich Angelina Purschke (49 kg). Sie wäre um ein Haar an der Auffassung, nach ihrem DM-Titel bei den Juniorinnen nun auch zu Hause unbedingt gewinnen zu müssen, gescheitert. Trainer Benno Gallinat: „Sie fiel nach den Europameisterschaften in ein Loch, Versagensängste kamen dazu. Zudem hatte sie Probleme mit dem Gewicht, bekam es einfach nicht runter. Sie stand unter Druck: Was sie auch versuchte und so oft sie vorher auf die Waage stieg, da stand immer 49,1.

Wir waren verzweifelt. Sie war kurz davor hinzuschmeißen. Der Meldeschluss rückte immer näher. Aber dann hat sie sich dafür entschieden – und kam mit 49,0 vom offiziellen Wiegen zurück.  Ja, und im Finale (6:0 nach Punkten gegen Sophie Seimetz/Köllerbach – d. Red.) hat sie dann internationale Härte gezeigt: Das ist meine Matte, hier gehe ich nicht als Verlierer runter.“

Auch die Silbermedaille von Elina Lüttge in der für sie höheren 57-kg-Kategorie war Gold wert. Dass sie das Finale, den 262. von insgesamt 264 Kämpfen dieser Meisterschaften, erreichte, kam nach der Auftaktniederlage am Freitagabend einer Sensation gleich. Sie steigerte sich unheimlich, holte einen Schulter- und einen hohen Punktsieg. Platz eins war gegen die EM-Dritte Anastasia Blayvas (Leipzig) erwartungsgemäß nicht drin.
 

Splitter

Als Stammgast an der Ostsee „outete sich“ Bundestrainer Rainer Kamm aus Halle (Saale): „Ich  bin mindestens zweimal im Jahr zum Urlaub hier. Früher habe ich selbst noch im Haus des Sportes gerungen.“

Ringerverband MV und  Heimatverein SV Warnemünde ehrten vor Beginn der Veranstaltung die Europameisterschafts-Teilnehmerinnen Rebekka March und Angelina Purschke. Gewürdigt wurden auch die anwesenden Veteranen vom SVW und PSV  für ihre Titel und Medaillen bei den German Masters.

140 Mädchen von 68 Vereinen aus 14 Landesverbänden gingen in Warnemünde auf die Matte. Gemeldet worden war für 17 Gewichtsklassen (älterer Jahrgang 10, Schoolgirls 7).

Selbst der 86-jährige Erwin Grohmann hatte sich ins Helferteam eingereiht. Das Warnemünder Ringer- und Sportakrobatik-Urgestein sorgte an der Absperrkette für Ordnung.

Eine dolle Choreographie  zeigten zwischen den beiden Wettkampf-Blöcken die Sportakrobat(inn)en des SVW.

Einen starken vierten Platz (13:24 im kleinen Finale gegen den SV Luftfahrt  Berlin) belegten die Küstenringer bei der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft  in Schiffweiler. Ihre Bilanz: je zwei Siege, Unentschieden und Niederlagen.

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