Prozess : Glockendiebe schweigen sich aus

Als im Oktober 2012 die vom Friedhof Groß       Ridsenow gestohlene,  historisch wertvolle Glocke gefunden wurde, war sie schon in hunderte Teile zerlegt.
Als im Oktober 2012 die vom Friedhof Groß Ridsenow gestohlene, historisch wertvolle Glocke gefunden wurde, war sie schon in hunderte Teile zerlegt.

Vier Männer aus Kronskamp und Subzin werden der Hehlerei verdächtigt

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25. Februar 2014, 08:00 Uhr

Der Schock sitzt noch immer tief, dass die etwa 600 Jahre alte Glocke vom Friedhof in Groß Ridsenow gestohlen und bei einem Schrotthändler zu Geld gemacht wurde. Gestern begann am Güstrower Amtsgericht die Verhandlung gegen die 22 bis 30 Jahre alten Tatverdächtigen Marcel W., Danny K., Christian H. und Sebastian R. aus Kronskamp und Subzin. Ihnen wird vorgeworfen, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein oder beim Absetzen der Glocke geholfen zu haben. Die Angeklagten äußerten sich nicht zu den Vorwürfen.

Gehört wurden dafür drei Zeugen. Laages Pastor Thomas Kretschmann berichtete, dass es bereits zuvor einen Diebstahlversuch gegeben hatte, dass die Glocke danach wieder ordentlich befestigt und eine Umsetzung in die Polchower Kirche vorbereitet wurde. Ein Glockensachverständiger habe den historischen Wert des Geläuts auf 20 000 Euro geschätzt. Der nicht mehr genutzte Friedhof in Groß Ridsenow habe ein Tor und eine Mauer, beides durchaus überwindbar.

Zeuge André Trometer hatte Sebastian R. sein Auto und einen nicht zugelassenen Anhänger ausgeliehen. Über den Sinn der Fahrt habe man nicht gesprochen. Weiter trat gestern Frank Zicker, Chef der Rostocker Entsorgungsfirma, in den Zeugenstand. Er berichtete, dass die Glocke für den tagaktuellen Messingpreis von 3,05 Euro pro Kilogramm mit 1637,85 Euro vergütet wurde. Ein Mitarbeiter habe die Glocke angenommen. Sie sei beschädigt gewesen und auf dem Platz mehrfach umgesetzt worden. Schließlich habe „zweimal dagegen hauen“ ausgereicht, sie in viele Teile zusammenfallen zu lassen. Zuvor hatte er seinen Platzmeister recherchieren lassen, aber nichts von einer Vermisstenanzeige in Erfahrung bringen können. Als der Diebstahl der Glocke bekannt wurde, habe er den Fall der Polizei gemeldet. Der Betriebshof sei videoüberwacht. Die Rechnung trage die Unterschrift von Marcel W.

Im Gerichtssaal entstand daraufhin eine Diskussion um den Wert der Glocke. Zwei Rechtsanwälte machten deutlich, sie sei ohnehin kaputt und ohne ideellen Wert gewesen. Richter Björn Kröhnert will den Mitarbeiter, der die Glocken angenommen hat, in den Zeugenstand laden. Die Verhandlung wird am 17. März um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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