Wirtschaft : Glatter Aal: Was ist noch machbar?

Blick in die Buchbinderstraße (l.) und Rostocker Heide (r.): Insgesamt werden 100 Millionen Euro in das Rosengartencenter investiert. Baustart: 1. Juni 2016.
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Blick in die Buchbinderstraße (l.) und Rostocker Heide (r.): Insgesamt werden 100 Millionen Euro in das Rosengartencenter investiert. Baustart: 1. Juni 2016.

Ortsbeirat will mehr Öffentlichkeit für das Filetstück in Rostock. Projektentwickler räumt Spielräume ein – aber die Verträge bleiben geheim.

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21. August 2015, 08:00 Uhr

25 Jahre ruhte der Glatte Aal. Jetzt wirbelt die brache Parkplatzfläche ordentlich Staub auf. Dort soll mit Gewerbe, Parkhaus, Drei- bis Vier-Sterne-Hotel und einem Boardinghouse für möbliertes Kurzzeitwohnen das Rosengartencenter entstehen – für 23,4 Millionen Euro reine Baukosten bei 17 bis 20 Metern Höhe. Diesen Koloss will der zuständige Ortsbeirat Stadtmitte aber nicht ohne Diskussion hinnehmen.

„400 Meter weiter ist die Nordkante, ein sehr markantes Gebiet. Das war jahrelang geplant worden“, sagte Andreas Herzog vom beiratsinternen Bauausschuss bei der jüngsten Sitzung. Doch anders als bei der Nordkante gehören die Baufelder – der Glatte Aal und die Sandfläche daneben – nicht der Stadt, sondern der Randalswood Germany GmbH. Die ist nicht an Wettbewerbe gebunden, sondern braucht nur die Genehmigung vom Stadtplanungsamt sowie dem Bauamt, dem der Antrag vorliegt.

Einerlei, befand Herzog in der Sitzung. Ein Projekt mit der Ausstrahlungskraft brauche auch Öffentlichkeit. Außerdem sei im Rahmenplan für das Sanierungsgebiet von 2008, in das immerhin der Glatte Aal fällt, eine maximale Geschossigkeit von vier verankert, jetzt sollen fünf entstehen. Auch die Fassade hielt der Ortsbeirat für wenig erbaulich, kritisierte aber vor allem, dass keine echten Wohnungen entstehen. Alles Punkte, die gerade Herzog gern überarbeitet wüsste. „Wir haben 25 Jahre gewartet, ob nun noch zwei Jahre länger oder nicht“, sagt er. Das mache aber sehr wohl einen Unterschied, insistiert Bauamtsleiterin Ines Gründel. Denn: „Es gibt Verträge dazu, über die ich öffentlich nicht sprechen kann.“ Dieser Fakt stieß nicht unbedingt auf Gegenliebe im Ortsbeirat. „Letztlich ist also alles zu spät“, so Manfred Betke vom Beirat.

Nichts geht also mehr am Glatten Aal? – „Wir sollten uns auf das konzentrieren, was noch zu machen ist“, räumte Ortsbeiratschef Werner Simowitsch (Linke) ein. Ergebnis: Der Projektentwickler muss mit einem Nein des Beirates leben – für das „Projekt in derzeitiger Form“. Und das kann er sehr gut, sagt Projektentwickler Denis Madden. Schließlich wollen sie auch noch etwas ändern – an Farbe, Texturen, Fenstern. „Wir sind in einer Phase der Feinabstimmung“, sagte er und bot an, eine Vorstellung für die Einwohner zu planen – in den Abendstunden. „Das machen wir freiwillig“, sagt Madden. „Als Eigentümer sind wir auch interessiert, ein akzeptiertes Projekt zu haben.“ Deswegen würde er sich auch noch mal dem Gestaltungsbeirat stellen, der im November 2014 noch nicht überzeugt war.

Am Konzept hält Madden fest: „Es stärkt den Stadtkern und hält Parkplätze auch für andere Geschäfte vor.“ Im ersten Gebäude östlich der Buchbinderstraße werden Gastronomie, Hotel mit 258 Betten, Boardingshouse mit 236 Betten und Einzelhandel auf 1392 Quadratmetern einziehen. Auf der Westseite werden ein Fitnesscenter, Apartments des Boardinghouse mit 30 Betten, 474 Quadratmeter Gewerbe und 5317 für den Einzelhandel sein. Außerdem entstehen auf zwei Ebenen 518 Parkplätze. Die Mischung aus kleinen und großen Einzelhändlern sei bewusst, so Madden. Ein Ankermieter soll aber 3280 Quadtrameter bekommen. Zum Vergleich: TK-Max hat 2400. „Das Einzelhandelsgutachten sieht es als verträglich an“, sagt Gründel.

Der ursprüngliche Investor Jürgen Klechowitz, der einen Gegenpol zum Kröpeliner-Tor-Center schaffen wollte, war 2010 verstorben. 2013 wurde die Fläche für sechs Millionen Euro zwangsversteigert. Der neue Bauantrag musste zwingend bis 1. Juni vorliegen.

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