Shopping in Rostock : Glatter Aal: Center wird gebaut

Diese beiden Parkflächen werden bebaut und dazwischen Wegebeziehungen geschaffen.  Grafik: Randalswood Germany GmbH
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Diese beiden Parkflächen werden bebaut und dazwischen Wegebeziehungen geschaffen. Grafik: Randalswood Germany GmbH

Rostocks Oberbürgermeister handelt stellvertretend für die Gemeinde – rechtskonform. Kritik kommt aus den Ausschüssen. Der Baubeginn am 1. Juni ist noch fraglich.

svz.de von
15. März 2016, 05:00 Uhr

In dieser Woche soll es so weit sein: Der Oberbürgermeister will das Rosengartencenter, den Bauantrag für den Glatten Aal genehmigen. „Die Baugenehmigung wird antragsgemäß erteilt werden. In der vorliegenden Form wurde der Bauantrag im Ortsbeirat, Bauausschuss, Stadtentwicklungsausschuss sowie Planungs- und Gestaltungsbeirat mehrfach vorgestellt“, sagt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa. Einverstanden waren die aber nicht mit den Plänen des irischen Investors, der Randalswood Germany GmbH. Zu groß, zu kompakt, zu viel Parken, zu wenige Wohnungen stattdessen Hotel und Boardinghouse – so die Kritiken für den Komplex, in dem auch großflächige Gewerbe-, Einzelhandelsflächen und ein Fitnesscenter vorgesehen sind.

Bauamtsleiterin Ines Gründel, so moniert Bauausschussmitglied Helge Bothur (Linke), hätte zu verstehen gegeben, dass es ohnehin unerheblich ist, was Beiräte und Ausschüsse entscheiden. Das Center komme so oder so. Es sei baurechtlich zulässig. Das Einvernehmen der Gemeinde nach Paragraf 36 sei daher nicht notwendig. „Der Oberbürgermeister ist nach der Landesbauordnung MV die untere Bauaufsichtsbehörde und zuständig für den Vollzug des Gesetzes“, erklärt Kanaa. Er handele damit stellvertretend für die Gemeinde, im so genannten übertragenen Wirkungskreis. „Die Aufgabe fällt also nicht unter die Zuständigkeit der Gemeindevertretung.“ Das Bundesverwaltungsgericht habe bereits 2002 entschieden, dass die mit der unteren Bauaufsichtsbehörde identische Gemeinde die Ablehnung eines Bauantrags nicht mit der Versagung ihres Einvernehmens begründen darf. „Die kreisfreie Hansestadt Rostock ist genau in dieser Situation“, so die Stadtsprecherin.

Viele Ortsbeirat- und Ausschussmitglieder sind verärgert: „Wir sind auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Verwaltung angewiesen“, sagt Bothur. Wofür hätten sie sich das alles zum Rosengartencenter angehört, wenn ihre Anregungen keinerlei Gewicht hätten? Aufreger für die benachbarte Investorin: Offenbar würden für politisch wichtige Vorhaben andere Regeln gelten. Das Hauptgebäude des Rosengartencenters sei primär ein gigantisches Parkhaus. Eine Befürchtung, die sich in der Stadt hält. Kanaa: „Im Bereich des so genannten ehemaligen Chemischen Institutes entsteht ein Gebäude mit einer gewerblichen ,Mantelnutzung‘.“ Im Inneren des Gebäudes werden vom ersten bis fünften Geschoss Stellplätze errichtet. Die Nachbarin sieht ihr eigenes Projekt für 70 Wohnungen und Gewerbe gefährdet und kündigte an, rechtlichen Mittel zu nutzen. Auch Denis Madden, Projektentwickler von Randalswood, plant zu klagen. Seit er den Bauantrag gestellt hat, sind fast neun Monate vergangen. „Normal wären drei“, so Madden. Er will rechtlich prüfen lassen, ob er den vereinbarten Baubeginn 1. Juni auf dem zwangsversteigerten Grundstück halten muss.


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