100-Millionen-Projekt : Glatter Aal: Alles zurück auf Null

So sollte das Gebäude laut Bauantrag aussehen. Sogar der Investor selbst war mit dem Entwurf unzufrieden.
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So sollte das Gebäude laut Bauantrag aussehen. Sogar der Investor selbst war mit dem Entwurf unzufrieden. Grafik: Aukett + Heese

Investor soll Architektur mithilfe eines Wettbewerbs komplett neu gestalten und Vertrag mit der Stadt anpassen

svz.de von
30. September 2015, 08:00 Uhr

Eigentlich war der Baustart im Juni 2016 vertraglich festgeschrieben, doch jetzt steht das Megaprojekt Glatter Aal vor dem kompletten Neustart: Investor Randalswood Germany und die Stadt sollen innerhalb eines Monats einen neuen, verbindlichen Zeitplan ausarbeiten. Im Gegenzug verpflichtet sich das Unternehmen zu einem Architekturwettbewerb, der nochmaligen Vorstellung der grundlegend geänderten Pläne im Gestaltungsbeirat sowie in einem Bürgerforum. Das haben Bauausschuss und Ortsbeirat Stadtmitte gestern bei einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus und im Einvernehmen mit Randalswood beschlossen.

Vorausgegangen war grundsätzliche Kritik der Mitglieder sowohl an der Ursprungs- als auch an der überarbeiteten Fassung des Bauvorhabens im Gesamtwert von 100 Millionen Euro. „Auf diesem historischen Areal muss etwas Rostocktypisches, etwas Hanseatisches entstehen“, fordert Ortsbeiratsmitglied Andreas Herzog (SPD). Und das liefere auch die leicht geänderte Version von Randalswood nicht. „Der Bauantrag beinhaltet nicht ansatzweise das, was wir uns wünschen“, sagt auch Bauausschussmitglied Helge Bothur (Linke). Lediglich die Fassade werde etwas aufgelockert, aber nicht die gewünschte kleinteilige Bebauung mit Wohnnutzung geschaffen.

Das räumt selbst Randalswood-Vertreter Denis Madden ein. Er sei ebenfalls unzufrieden mit der eigenen Planung, aber durch die vertraglich festgeschriebenen Fristen sei nicht mehr möglich gewesen. „Wenn wir das auf die Schnelle machen müssen, ist am Ende keiner zufrieden“, so Madden. Die Chance, die die Neuverhandlung bietet, wolle sein Unternehmen nutzen. Es hat Bau- und Stadtplanungsamt bereits in der vergangenen Woche einen neuen Zeitvorschlag unterbreitet. Demnach könnten bis Februar fünf Varianten einer verstärkten Mietwohnnutzung untersucht sein und bis Dezember 2018 beide geplanten Gebäudekomplexe stehen.

„Wir haben dem Investor von Anfang an als Wunsch mitgeteilt, deutlich mehr Wohnraum zu schaffen“, sagt Chefstadtplaner Ralph Müller. Das könnte die Neuplanung ermöglichen. Allerdings warnen alle Rostocker Interessensvertreter generell davor, von vertraglich festgeschriebenen Fristen für den Baustart abzuweichen. „Ohne diese zeitliche Vereinbarung könnte sich dort auch in zehn Jahren noch ein Parkplatz befinden – das will ich nicht“, sagt Bauausschussvorsitzender Frank Giesen (CDU). Auch das Rückkaufsrecht bei Vertragsverstoß müsse erhalten bleiben.

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