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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 18:01 Uhr

Gericht hört die Herrentagszeugen

vom

svz.de von
erstellt am 06.Dez.2011 | 07:31 Uhr

Rostock | Auch am zweiten Verhandlungstag im Herrentags-Prozess sind die Besucherreihen gut gefüllt. Die tragischen Geschehnisse vom diesjährigen Vatertag haben bei vielen Bestürzen ausgelöst. Nun sollen Zeugen gehört werden, die am 2. Juni auf dem Warnemünder Bahnhof dabei waren, als der Streit um die Vorzüge und Nachteile eines Bollerwagens eskalierte. Sechs Namen stehen auf der Liste der geladenen Augenzeugen.

Den Anfang macht der Zeuge Ivo N.: Der 28-jährige Ingenieur aus Hamburg war am Herrentag mit seiner Freundin in Warnemünde unterwegs. Als sie sich auf den Rückweg machten, gerieten sie am Bahnhof in den Tumult der beiden gegeneinandergeratenen Herrentagsgruppen. "Wir wollten uns nicht direkt einmischen, weil es schon größer aussah", erinnert sich Ivo N. Er habe dann die Polizei gerufen. Wie eine Gruppe auf einen Einzelnen losging, das habe er beobachtet. Auch wie ein älterer Mann, der helfen wollte, von den Schlägern zurückgehalten und schließlich selbst angegriffen wurde. An viele Details zur Kleidung, nach denen die Richter gestern fragen, kann sich Ivo N. nicht mehr erinnern.

Seine Freundin Maria G., die ebenfalls als Zeugin gehört wird, hat einige Angaben zur Kleidung der Schläger noch präsenter. Ein gelbes T-Shirt habe der besonders aggressive junge Mann getragen. Das muss der Angeklagte gewesen sein, denn so ist es auf den Überwachungsvideos des Bahnhofs zu sehen. Einer der Beteiligten habe einen ganz blutigen Rücken gehabt. Das sei von den Glasscherben gekommen, die auf dem Boden verteilt lagen, so die 22-jährige Studentin.

An zerbrechende Glasflaschen erinnert sich auch Zeuge Frank L. Mit seiner Familie war er am Vatertag in Warnemünde. "Das Wetter war schön, also waren wir am Strand", sagt er. Mit seiner Frau und den Kindern habe er dann am Bahnhof in einem Wartehäuschen gesessen, als der Streit begann. Er habe dann nachgesehen, was da passierte. "Sie schlugen und schlugen auf das Opfer ein, traten zu, sprangen ihn an, alles verbunden mit viel Gebrüll." Frank L. erinnert sich auch an eine Lautsprecherdurchsage, dass die Polizei bereits informiert sei. Danach hätten die Angreifer von ihrem Opfer Knut H. abgelassen. "Sie gingen direkt an mir vorbei, aber einer drehte noch mal um", berichtet der Zeuge. Da seine Frau schon sehr unruhig war, sei er dann mit seiner Familie zur wartenden S-Bahn gegangen. Als er sich noch einmal umdrehte, lag Knut H. bereits am Boden. Die Schläger machten sich davon. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie alkoholisiert waren", sagt Frank L. "Sie handelten sehr koordiniert." Das Gutachten besagt, dass alle drei mutmaßlichen Herrentagsschläger Alkohol konsumiert hatten. Beim Angeklagten Nils W. lag der Wert rund drei Stunden nach der Tat bei 1,8 Promille.

Der 25-jährige Nils W. ist wegen Totschlags angeklagt. Am ersten Verhandlungstag hat er bereits ein Geständnis abgelegt. Gestern verfolgt er die Zeugenaussagen, die sein brutales Vorgehen vom Herrentag immer und immer wieder beschreiben, mit gesenktem Kopf. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gerichtssaals treten die Hinterbliebenen des Opfers als Nebenkläger auf: die Witwe und der Sohn, Letzterer etwa im gleichen Alter wie Nils W.

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