"Georg Büchner" wird zum Staatsakt

<strong>Entgeht die 'Büchner' </strong>doch noch der Verschrottung? Jetzt hat sich auch die belgische Regierung eingeschaltet, um das Schiff nach Antwerpen zu holen.<foto>Georg Scharnweber</foto>
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Entgeht die "Büchner" doch noch der Verschrottung? Jetzt hat sich auch die belgische Regierung eingeschaltet, um das Schiff nach Antwerpen zu holen.Georg Scharnweber

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17. Januar 2013, 05:56 Uhr

Rostock | Jetzt schaltet sich der belgische Staat ein: Geert Bourgeois, Vizeminister der Flämischen Regierung, will die Verschrottung der "Georg Büchner" auf einer Werft in Litauen verhindern. "Er wird einen Brief an Kulturminister Mathias Brodkorb schreiben, in dem er ihn bittet, alles für den Erhalt des Schiffes zu tun", sagt sein Sprecher Kris Snijkers. "Es geht um ein für unsere Geschichte sehr wichtiges Schiff", fügt er an. Schließlich sei die "Büchner" ursprünglich als "Charlesville" in Antwerpen aus dem Dock gelaufen und habe dann die Kongo-Linie befahren.

Unterstützt wird der Vizeminister von der Interessengemeinschaft Water erfgoed Vlaanderen, die sich für den Erhalt des flämischen maritimen Erbes einsetzt. Sie hofft, die "Büchner" für einen symbolischen Euro kaufen zu können, wenn die Mitglieder für Reparatur und Unterhalt des Denkmals garantieren. Das habe das zuständige Amt für Kultur- und Denkmalpflege in Gesprächen zugesichert. "Spätestens bis zum 23. Januar muss die deutsche Behörde informiert werden, ob die Übernahme von Belgien aus möglich ist", sagt Eric van Hooydonk, Vorsitzender von Watererfgoed Vlaanderen. Er will den ehemaligen Kolonialdampfer zum Blickfang eines Schifffahrts- und Hafenmuseums in Antwerpen machen. Dort könne es als Hotel-, Restaurant-, Museums- oder auch Kongressschiff festmachen. "Die ,Charlesville’ kann eine Top-Attraktion werden", sagt van Hooydonk.

Thomas Werner, kommissarischer Leiter des Rostocker Amts für Kultur- und Denkmalpflege, bestätigt, dass es noch Hoffnung für das Schiff gibt. "Bevor es rausgeht, muss die Verschrottung und selbst die Verlagerung an einen anderen Ort durch uns und die Landesbehörde genehmigt sein." Der Antrag auf Verschrottung liege aber überhaupt erst seit Wochenbeginn vor und werde derzeit noch geprüft. Damit er Erfolg hat, "muss der Eigentümer nachweisen, dass er das Denkmal nicht erhalten kann", so Werner. Dafür müsse dieser noch einige Unterlagen nachreichen. "Es gibt durchaus Interesse von belgischer Seite, das Schiff zu nehmen", sagt der Amtsleiter. Und da es noch immer unter Denkmalschutz stehe, müsse vor einer Verschrottung jedes andere Szenario in Erwägung gezogen werden. "Unsere Aufgabe ist es, Denkmäler zu erhalten."

Dafür allerdings muss die belgische Interessengemeinschaft nachweisen, dass sie die "Büchner" auch wirklich sanieren und weiter betreiben wird. Das fordert auch Vizeminister Bourgeois. "Der Verein muss ein Nutzungskonzept vorlegen und die finanziellen Folgen beschreiben, bevor wir ihn unterstützen können. So schreibt es das Denkmalschutzgesetz in Flandern vor", sagt sein Sprecher Snijkers. Dann allerdings könnte der belgische Staat bis zu 80 Prozent der Sanierungs- und Unterhaltskosten übernehmen. "Natürlich ist der Minister aber besorgt über die finanziellen Auswirkungen", so Snijkers. Denn allein für die Reparatur würden nach Schätzungen des aktuellen Betreibervereins mehr als fünf Millionen Euro fällig. Für rund 20 Prozent davon will van Hooydonk Sponsoren finden. Sie sollen auch für die Schlepper aufkommen, die das Schiff nach Antwerpen holen sollen.

Unterdessen laufen die Arbeiten für eine Verholung des Schiffes auch ohne Kenntnis des endgültigen Zielhafens weiter. "Wir haben allerdings ein paar zusätzliche Auflagen erhalten", sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. So müsse beispielsweise noch Ballast gepumpt und die Gangway demontiert werden. Er rechnet damit, die Arbeiten am Donnerstag abzuschließen. "Dann muss der neue Eigner sagen, wann es losgehen und wohin das Schiff geschleppt werden soll", so Ruhnke.

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