Gemischte Reaktionen aufs "Ja, aber"

„Rostock will einen Weg mit dem Land gehen. Das begrüße ich.“ - Mathias Brodkorb (SPD), Kultusminister
1 von 2
„Rostock will einen Weg mit dem Land gehen. Das begrüße ich.“ - Mathias Brodkorb (SPD), Kultusminister

svz.de von
07. März 2013, 08:59 Uhr

Rostock | Nach den Entscheidungen der Bürgerschaft über Gespräche zu einer Theaterfusion mit Schwerin sind die Reaktionen von Stadt- und Landespolitikern gemischt. "Wenn ich die Beschlüsse richtig verstehe, ist nun eine Mehrheit der Rostocker Kommunalpolitiker doch dafür, einen gemeinsamen Weg mit dem Land zu gehen und den Letter of Intent zu unterschreiben. Das begrüße ich außerordentlich", sagte Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD). Wie Rostock jedoch mit den beiden aus seiner Sicht widersprüchlichen Beschlüssen zurechtkomme, sei keine Frage, die er als Minister lösen könne. "Dies ist Aufgabe des Oberbürgermeisters und der Bürgerschaft", so Brodkorb.

Die Bürgerschaft hatte am Mittwochabend zwei Beschlüsse gefasst. Die von Brodkorb geforderte Absichtserklärung hat sie dabei in einen Entwurf umgemünzt, über den mit der Landesregierung, der Stadt Schwerin und den Theatern noch weiter diskutiert werden soll. Ein weiterer Beschluss beauftragt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) außerdem, parallel einen eigenen Entwurf einer Absichtserklärung zu verfassen. Er soll mit der Bürgerschaft abgestimmt werden, bevor Rostock in Fusionsgespräche mit Schwerin und dem Land einsteigt. Ausdrücklich offen gelassen haben sich die Stadtpolitiker dabei die Möglichkeit, auch eine Eigenständigkeit des Rostocker Volkstheaters weiter zu prüfen. Das hatte Brodkorb zuvor allerdings ausgeschlossen.

Unzufrieden mit den Ergebnissen zeigte sich die Bürgerschaftsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. "Schlimmstenfalls suchen sich Einzelne jetzt das für sie Passende heraus und der dringend erforderliche Gesprächsprozess verzögert sich, mit negativen Konsequenzen für das Theater", sagte die Vize-Chefin der Fraktion, Susan Schulz.

Die Linken bewerten den Ausgang der Abstimmung deutlich positiver: "Das war ein sehr guter politischer Kompromiss", so Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Kröger. Sie sehe nun die Möglichkeit für echte Verhandlungen mit dem Land auf Augenhöhe. Darauf zielte auch der Antrag von Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09, ab, dem die Bürgerschaft zugestimmt hatte. Für Steffen Wandschneider, Fraktionschef der SPD, bleiben noch einige Widersprüche bestehen. Er hofft nun auf konstruktive Gespräche mit der Landesregierung. SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen hatten sich mit ihrem Antrag, der dem Ministervorschlag folgte, nicht klar durchsetzen können.

"Wenn Rostock eine Absichtserklärung zu einer Theaterfusion unterschreibt, ist es gut, wenn diese nicht allein aus der Feder des Ministeriums stammt", sagt indessen Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski. Auch die Rostocker sollten daran beteiligt sein. "Schließlich werden sie diejenigen sein, die die massiven Auswirkungen zu spüren bekommen", so Rosinski. Er begrüßt es, dass - auch durch den Druck des Landes - jetzt Bewegung in die Theater-Strukturdebatte gekommen ist. Sein Ziel bleibt es dabei, für Rostock so viel wie möglich Souveränität und künstlerischen Gestaltungsspielraum zu erhalten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen