Geldstrafe für Prügel-Polizisten

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18. Januar 2013, 05:02 Uhr

Rostock | Körperverletzung im Amt lautete der Tatvorwurf für den Rostocker Polizeiobermeister Roland St. (42). Im Landgericht Rostock ist er gestern zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden, die dem ASB Jugendzentrum in Lichtenhagen zugute kommen sollen. Er hat einem Bürger, dessen Hände bereits gefesselt waren, im Polizeiwagen einen Faustschlag in die Magenkuhle versetzt.

Die Tat liegt lange zurück und spielte sich in der Margaretenstraße ab. Der selbstständige Unternehmer Mathias G. hatte wegen Parkens auf der Bordsteinkante einen Strafbefehl erhalten, mit dem er nicht einverstanden war. Sein Argument: Andere parken auch so und erhalten keinen Strafbefehl. Am Abend des 18. Mai 2008 war er gerade dabei, ähnlich parkende Autos zu filmen, als ein Streifenwagen mit Roland St. als Beifahrer in die Straße einbog. Der Fahrer des Streifenwagens, Frank H., stieg aus und verbat sich das Filmen. Es kam zwischen ihnen zu einem Wortgefecht. Frank H. setzte den Polizeigriff an, Mathias G. wehrte sich, wobei der Beamte seine Brille verlor. Nun griff Roland St. ein, zog den vermeintlichen Angreifer von seinem Kollegen weg und brachte ihn zur Schiebetür des Transporters. Er drehte ihm die Kamera aus der Hand und legte ihm Handfesseln an. Dann wurde er in den Wagen gebracht. Inzwischen hatte sich in der Margaretenstraße eine Menschentraube angesammelt. Die Hilfeschreie des Gefesselten waren in der ganzen Nachbarschaft zu hören. Polizeifahrer Frank H. hatte zudem Unterstützung angefordert, die mit mehreren Streifenwagen anrückte.

In der Leonhardstraße war der Journalist Rainer Sch. unterwegs. Angezogen von den Hilfeschreien eilte er zum Tatort und kam gerade, als Mathias G. in den Polizeiwagen gebracht wurde. Er sah den Gefesselten, der von Roland St. auf den Sitz gedrückt wurde und von ihm einen Fausthieb in die Magenkuhle erhielt.

Im Juli 2012 verhandelte das Rostocker Amtsgericht den Fall. Roland St. erhielt eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Er ging in Berufung. Er habe sich zu Unrecht verurteilt gefühlt, sagte er gestern. Er und sein Kollege seien von Mathias G. massiv beschimpft worden, zum Beispiel mit "Bullenschweine". Sein Verteidiger ging gestern in die Offensive und beschränkte die Berufung auf das Strafmaß. Rainer Sch. wurde noch einmal als Zeuge gehört. Er bestätigte seine Aussagen.

Die Berufungskammer des Landgerichts ging mit Zustimmung des Staatsanwalts auf den Vorschlag des Verteidigers ein und verurteilte den Polizeiobermeister zu einer Geldstrafe von 1000 Euro. "Mit großen Bedenken", so der Vorsitzende Richter. Denn ein Disziplinarverfahren läuft schon gegen den Angeklagten - wegen einer Körperverletzung unmittelbar nach der Tat in der Margaretenstraße. Roland St. ist seit 2010 vom Dienst suspendiert. Mit dem gestrigen Urteil besteht die Chance, dass er seine Arbeit behält.

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