Uni-Forscher : Geld erhöht Lebenserwartung

Warum die Lebenserwartung der Niederländer seit 2002 wieder ansteigt, hat der Rostocker Dr. Frederik Peters untersucht.
Warum die Lebenserwartung der Niederländer seit 2002 wieder ansteigt, hat der Rostocker Dr. Frederik Peters untersucht.

Rostocker belegt Zusammenhang zwischen Investitionen ins Gesundheitswesen und Maximal-Alter

svz.de von
16. November 2015, 21:00 Uhr

Lange haben Wissenschaftler das ausgeprägte Rauchverhalten der Niederländer für deren stagnierende Lebenserwartung in den 80er- und 90er-Jahren verantwortlich gemacht. Auch von einer möglichen biologischen Obergrenze war die Rede. Dr. Frederik Peters vom Lehrstuhl für Demografie der Uni Rostock hat eine viel schlüssigere Erklärung gefunden: das Gesundheitssystem.

Peters hat untersucht, warum die Lebenserwartung der Niederländer seit 2002 plötzlich wieder angestiegen ist. Er stellt eine Verbindung zur Gesundheitsreform im Jahr 2001 her. Damals schaffte die Regierung die jährlichen Obergrenzen für die Ausgaben der Krankenhäuser und Fachärzte ab – die Wartelisten für wichtige medizinische Behandlungen und Eingriffe waren zu lang geworden. In der Folge wurden wesentlich mehr Menschen in medizinischen Einrichtungen aufgenommen und versorgt. Einen besonders starken Anstieg gab es etwa in der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen, die die wichtigste Todesursachengruppe darstellen.

Aktuell hat Peters aber wieder Bedenken: „Seit etwa drei Jahren gibt es in den Niederlanden erneut eine Sparpolitik im Gesundheitsbereich. Das könnte sich längerfristig wieder negativ auf die die Lebenserwartung auswirken.“ Bislang seien Experten davon ausgegangen, dass „zusätzliche Investitionen in die Gesundheitsfürsorge keine nachhaltigen Effekte auf die Lebenserwartung haben“, sagt Peters. Seine Studien beweisen das Gegenteil. Der 35-Jährige fordert daher trotz aktueller Sparzwänge neue effiziente Behandlungsmethoden.

Die fast zwei Jahrzehnte währende Stagnation in den Niederlanden hatte vor allem die Frauen betroffen, deren maximales Durchschnittsalter bei etwa 80 Jahren lag. Im aktuellen 42-Länder-Ranking der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegen die Niederländerinnen mit einer Lebenserwartung von 83,2 Jahren den 19. Platz. Die ersten Plätze belegen die Frauen in Japan mit 86,6, Spanien mit 86,1 und Frankreich mit 85,6 Jahren. Die Frauen in Deutschland nehmen mit 83,2 Jahren den 20. Platz ein. Schlusslichter sind Südafrika mit 58,8 Jahren, Indien mit 68,3 Jahren und Indonesien mit 72,9 Jahren.

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