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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 23:23 Uhr

Prozess : Gekauft vom Rotlicht-Boss?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Anklage beantragt Bewährungsstrafe für ehemaligen Justiz-Beamten

Nach elf Verhandlungstagen und der Anhörung von 30 Zeugen neigt sich der Strafprozess gegen den Justiz-Beamten Roland R. (50) wegen Vorteilsanahme und Bestechlichkeit dem Ende zu. Die Vertreterin der Rostocker Staatsanwaltschaft beantragte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten sowie die Rückzahlung der Bestechungsgelder – rund 15 000 Euro soll Roland R. bekommen haben. Die Verteidigung hielt sich an das Urteil des Amtsgerichts Güstrow von 2009 und plädierte auf Freispruch.

Für die Staatsanwältin gab es keine Zweifel, dass sich Roland R. mit dem Rostocker Rotlicht-König Arthur B. angefreundet hatte, der wegen Mordes einsaß. Sie sprach von anfänglicher Distanzlosigkeit, als es noch um Verabredungen zum Grillen ging. Das sei unschön, aber nicht kriminell. Im März 2003 änderte sich die Lage. Arthur B., der sich schon in Freiheit befand, brauchte die Kontakte in die JVA hinein und hinaus. Er baute dazu eine regelrechte Kette auf, die aus seiner ehemaligen Verteidigerin Tordis M., dem Häftling Norbert W. und dem Angeklagten bestand. Der Kaufmann Norbert W. hatte in der JVA das Kapitalanlagesystem CMC aufgebaut. Damit sollten Schmiergeldzahlungen verschleiert werden. Neben dem Angeklagten und seiner Lebensgefährtin Sibylle S. beteiligten sich auch etliche Justizangestellte der JVA Bützow am fiktiven Geldgeschäft. Die Staatsanwältin wies den Zusammenhang zwischen Darlehenseröffnung mit 15 000 Euro durch Sibylle S. auf ein Anderkonto von Tordis M. und anschließende Renditezahlungen mit genauen Daten nach.

Diese Zahlungen seien die Gegenleistungen für das Einschleusen von Nachrichten, Handys und SIM-Karten in die JVA durch den Angeklagten gewesen. „Arthur B. hatte sich in der JVA mit Roland R. eine Marionette aufgebaut, die keine Chance hatte, jemals wieder aus diesem Kreislauf herauszukommen“, sagte die Staatsanwältin. Roland R. habe schwerwiegende Pflichtverletzungen begangen und der Justiz große Nachteile zugefügt. Er habe nur aus Geldgier gehandelt, denn er befand sich nicht in finanzieller Not.

Die Verteidigung kritisierte, dass Roland R. als einziger angeklagt sei, obwohl etliche Kollegen sich auch an dem Geldgeschäft beteilig hätten. Sie hätten sogar zugegeben, Handys in die JVA geschmuggelt zu haben. Die Vorgabe des Justizministeriums hätte geheißen: „Wir müssen hier ein Ergebnis finden, dass uns ermöglicht, den Angeklagten aus dem Dienst zu entfernen.“ Urteilsverkündung ist am 3. November.

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