Geheimnis um Truhen-Inhalt gelüftet

<strong>Freuen sich über die Schätze: </strong>Christel und Uwe Gütschow sowie Architektin Diana Albert (v. l.) <fotos>  <FotosRechtsex>Fotos: Maria Pistor</FotosRechtsex></fotos>
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Freuen sich über die Schätze: Christel und Uwe Gütschow sowie Architektin Diana Albert (v. l.) Fotos: Maria Pistor

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26. Juni 2012, 09:28 Uhr

Warnemünde | Etwas Aufregendes oder gar Wertvolles hat Christel Gütschow in ihren beiden alten Truhen nie vermutet. Diese kaufte die Warnemünderin vor zwei Jahren von Harald Westphal, der sie auf dem Boden der Friedrich-Franz-Straße 6 aufbewahrte. Erst gestern ließ Gütschow die beiden Truhen öffnen und löste damit ihr Versprechen ein, das sie dem Verkäufer damals gab. Mündlich war vereinbart worden, dass Gütschow nach dem Öffnen der Truhe den unbekannten Inhalt dem Museum als Geschenk anbieten werde. Weil die Warnemünderin die Lagerräume ihres An- und Verkaufs am Kirchenplatz aufgelöst hatte, wollte sie nun wissen, was in den Truhen schlummert.

Nachdem ein Schlüsseldienst die alten Möbel fachgerecht geöffnet hatte, kamen zahlreiche Alltags-Schätze aus vergangenen Zeiten zutage. In der Truhe befanden sich etliche Zeitdokumente: ein Brautschmuck in einer Pappschachtel, adressiert an Fräulein Emma Voth. Im Adressbuch von 1905 und 1908 findet sich an der Adresse Friedrich-Franz-Straße 6 die Witwe Sophie Voth. Ob Johann Foth, dessen Name auf einem anderen Zettel in der zweiten Truhe gesteckt hat, ihr Vater ist, weiß heute niemand mehr. Auch nicht, ob es sich bei der Schreibweise des Namens mit F um einen Fehler handelt.

Auch das wurde gestern deutlich: Welchen Stellenwert Verhütung und die Angst vor ungewollten Schwangerschaften früher hatten. In der Truhe befand sich Werbung zu dem Thema, auch über verschiedene Sorten von Kondomen. Ein Hersteller preist darin eine Sorte aus Fischblasen an. Außerdem lag eine so genannte Mutterspritze in der Truhe, die zur Reinigung nach dem Beischlaf dienen sollte. Weiterhin tauchten gebastelte Schächtelchen mit Muscheln, Mottenpulver, eine Gürtelschnalle, Farben und ein Bilderrahmen auf. In der zweiten Truhe befand sich ein Gefäß, dass nach Rückfrage bei Museologin Annelen Karge vielleicht ein Mitbringsel von einem Seemann aus Übersee sein könnte.

Ein besonderer Schatz für Warnemünde waren die selbst hergestellten Winkelemente, die beim Ümgang eingesetzt wurden. Es tauchte noch ein geschnitzter Stab auf, der an die Walz erinnert. "Ein Schafferholz oder ein Ältestenstab ist unten nicht spitz, er ist bemalt oder hat eingeschnitzte Handwerkssymbole", weiß Diplom-Ethnologin Karge. Sie schätzt nach Ferndiagnose per Foto, dass viele der Stücke aus dem 19. Jahrhundert stammen. In der Truhe steht die Jahreszahl 1908 geschrieben. Architektin Diana Albert freut sich, dass Gütschow ihr Versprechen eingehalten hat: "Es ist wichtig, dass solche Stücke bewahrt werden." Jetzt steht ein Treffen mit Vertretern des Heimatmuseums an. Gerhard Lau vom Leuchtturm-Verein hat sich die Stücke ebenfalls schon angeguckt. Er ist beeindruckt von der Fülle der Geschichten, die der Inhalt der Truhe erzählt. Auch Christel Gütschow ist überrascht: "Ich hätte nicht mit so vielen Dingen in den Truhen gerechnet."

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