Impfversuche an Pferden in Grabow : Gegen Fohlen als Versuchskaninchen

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Grabow kämpft gegen einen Impfversuch mit genmanipuliertem Serum auf dem benachbarten Lewitz-Gestüt. dpa

Die Unternehmerin Rosemarie Roeschke aus Grabow verklagt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, um Impfversuche an Pferden mit genveränderten Bakterien zu stoppen.

svz.de von
24. Juli 2012, 11:08 Uhr

Grabow | Eine Unternehmerin aus Grabow hat gegen die Impfversuche an Pferden mit genveränderten Bakterien geklagt. Rosemarie Roeschke wohnt und arbeitet 50 Meter von dem halboffenen Versuchsstall des Gestüts von Ex-Springreiter Paul Schockemöhle entfernt. Sie ist Mitinhaberin einer Autowerkstatt am Rande der 6000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Kreis Ludwigslust-Parchim. "Wir sind also direkt betroffen. Für uns wären diese Versuche höchst geschäftsschädigend", befürchtet sie.

Darum hat Rosemarie Roeschke beim zuständigen Verwaltungsgericht Braunschweig Klage gegen das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingereicht und beantragt, die Genehmigung für den Impfversuch aufzuheben. Ihre Klage wird vom Umweltverband BUND und dem Umweltinstitut München unterstützt. Die Berliner Rechtsanwältin Katrin Brockmann, die Roeschke vertritt, erklärte: "Wir warten jetzt auf die Akteneinsicht. Dann folgt die Klagebegründung."

Das BVL hatte den Impfversuch im Lewitz-Gestüt im Juni genehmigt. Der vom niederländischen Pharmakonzern Intervet entwickelte Impfstoff soll Fohlen vor einer eitrigen Lungenentzündung schützen. Die Krankheit kann tödlich verlaufen. Zwischen 2012 und 2014 wollte das Gestüt Fohlen impfen. Für dieses Jahr kam die Genehmigung jedoch zu spät - die Hauptfohlzeit ist bereits vorbei. Nun soll der Einsatz des Impfstoffes 2013 beginnen. Das BVL schrieb in der Sicherheitsbewertung, "dass von dem Freisetzungsversuch keine gentechnikspezifischen schädlichen Einflüsse auf Menschen und Tiere sowie auf die Umwelt zu erwarten sind". Diese Ansicht teilt die Gentechnik-Referentin Anja Sobczak vom Umweltinstitut München nicht. Hauptkritik des Umweltvereins ist es, dass erstmals ein genmanipulierter Veterinär-Impfstoff gegen eine Krankheit eingesetzt werden soll, die auch den Menschen befällt. "Die Gefahr ist, dass genmanipulierte Konstrukte nicht stabil sind. Es kann zu Mutationen und Prozessen kommen, die nicht absehbar sind", so Sobczak.

Der Gentechnikexperte beim BUND in Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Roloff, sagte, gegen den Impfversuch seien 437 Einwendungen ans BVL geschickt worden. Die Menschen aus Grabow und Umgebung hätten damit klar gemacht, dass sie gegen diesen Versuch sind. Sie befürchten, dass genveränderte Bakterien entweichen und zur Gesundheitsgefahr von Mensch und Tier werden könnten. An den Versuchsställen führt ein Rad- und Wanderweg vorbei.

Das Lewitz-Gestüt ist mit einem Bestand von 3500 Pferden und jährlich 650 Fohlen das größte Gestüt in Europa.

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