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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Dezember 2017 | 03:30 Uhr

Verschmutzung : Gefahrenalarm für die Warnow

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ölfilm verschmutzt Trinkwassereinzugsgebiet. Konsequenzen bisher noch nicht absehbar. Gestern Abend erste Entwarnung.

von
erstellt am 04.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Nach der großflächigen Ölverschmutzung der Warnow nördlich von Schwaan haben die Behörden gestern Abend erste Entwarnung gegeben. Seit Montagabend schob sich ein 800 Meter langer und zehn Meter breiter Ölfilm den Fluss Richtung Rostock hinunter – mit bislang unvorhersehbaren Folgen für Mensch und Natur. Sicher ist nur: „Öl gehört nicht ins Wasser und stellt eine große Gefahr für das Grundwasser und damit für die gesamte Umwelt dar“, sagt Umweltminister Till Backhaus (SPD).

Gestern waren Mitarbeiter vom Staatlichen Umweltamt, der Wasserschutzpolizei und dem Warnow-Wasser- und Abwasserverband vor Ort, um sich ein Bild von dem Ausmaß der Verschmutzung zu machen. Die Experten gehen davon aus, dass es sich bei der Substanz um Diesel handelt. Die Ergebnisse der entnommenen Wasserproben standen gestern noch nicht fest. „Wenn es ,nur’ Diesel ist, kommen wir noch einmal mit dem blauen Auge davon. Diesel verflüchtigt sich ziemlich schnell. Wenn es sich aber um eine andere ölige Verbindung handelt, kann das schwerwiegende Folgen haben“, erklärt Ministeriumssprecher Constantin Marquardt.

Vor allem die Tier- und Pflanzenwelt ist von der Verunreinigung betroffen. „Der Uferstreifen wird kontaminiert. Dass hat vor allem Einfluss auf das Wachstum neuer Pflanzen“, sagt der Biologe Prof. Gerhard Graf von der Universität Rostock. „Wenn Wasservögel mit dem Öl in Kontakt kommen, verklebt das Gefieder“, ergänzt er. Sind größere Teile des Gefieders verschmutzt, kühlt der Vogel aus und stirbt. „Bei der Aufnahme durch die Haut hat das Öl eine toxische Wirkung“, so Graf. „Unabhängig davon wird das Grundwasser gefährdet.“

Für den Menschen habe das Öl keine Konsequenzen. „Zumindest, solange man es nicht trinkt“, betont der Biologe. Aber: Sowohl die Hansestadt Rostock als auch 17 Umlandgemeinden werden mit dem Wasser aus der Warnow versorgt. Das sind insgesamt 235 000 Menschen.

Weil sich die Temperaturen derzeit um den Gefrierpunkt bewegen, würde sich die Substanz nur sehr langsam abbauen, „im Sommer geht die Verdunstung schneller“. Graf schlägt vor, das Öl vom Technischen Hilfswerk absaugen zu lassen – auch, weil der Ölfilm in Richtung Rostock unterwegs ist. Unter der Autobahnbrücke in Papendorf wurde eine Ölsperre errichtet. Damit soll eine Ausbreitung der Substanz in das Trinkwasserschutzgebiet Rostocks verhindert werden. An der und jenseits der Barriere seien bisher noch keine Verschmutzungen festgestellt worden, so die Behörden. Zurückzuführen sei dies auf die geringe Fließgeschwindigkeit, von weiteren Abwehrmaßnahmen wird vorerst abgesehen. Die Ausbreitung des Öles habe sich erheblich verringert.

Für die Aufbereitung des Trinkwassers ist das Unternehmen Eurawasser Nord zuständig. „Wir sind in oberster Alarmbereitschaft und stehen in engem Kontakt mit dem Umwelt- und Gesundheitsamt“, sagt Unternehmenssprecherin Gabi Kniffka. Bisher bestehe aber keine Gefahr für die Trinkwasserversorgung. Dennoch seien die Mitarbeiter derzeit angewiesen, an der Entnahmestelle des Wasserwerks Rostock verstärkt Qualitätsproben zu entnehmen. Die Entnahmestelle liegt 8,5 Kilometer von der Ölsperre entfernt.

Sollte sich die ölhaltige Substanz dennoch ausbreiten, hat das Unternehmen vorgesorgt: In Biestow gäbe es für Notfälle einen Wasserbehälter, der 10 000 Kubikmeter Trinkwasser enthält. „Aber so weit wird es nicht kommen, wir sind alle sensibilisiert“, betont Gabi Kniffka.

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