Gefahr über den Wolken?

Nach Beinahe-Absturz eines Heißluftballons im Juli: Sorge um Sicherheit der Fahrzeuge unbegründet

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05. August 2020, 12:10 Uhr

Es waren für den Laien dramatische Szenen, die sich in der Abenddämmerung jenes Sonntags im Juli ereigneten. Unweit des Yacht Clubs Warnow schien ein bemannter Heißluftballon in den Fluss zu stürzen. Der Korb des Gefährts setzte dabei bedrohlich auf der Wasseroberfläche auf, entging nur knapp einem Aufprall – so der Augenzeugenbericht.

Es sind Situationen wie diese, die die Frage nach der Sicherheit der imposanten Fahrzeuge ins Gedächtnis rufen. Erst letztes Jahr wurden bei einem Landeunfall im nordrhein-westfälischen Marsberg elf Menschen verletzt, sechs davon schwer. Zwei schwebten kurzzeitig in Lebensgefahr. Im mecklenburgischen Zinnowitz entging ein Ballon im vergangenen August nur knapp einer Notwasserung auf dem Achterwasser.


Unfallbilanzen geben Entwarnung

Doch ein Blick in die Statistik verrät schnell: Der Ballon ist eines der sichersten Fortbewegungsmittel der Luftfahrt. Germout Freitag, Luftfahrtexperte und Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), erläutert die aktuelle Statistik.

„Der Bericht über Unfälle und schwere Störungen in der Zivilluftfahrt in Deutschland gibt für das Jahr 2019 vier Unfälle an, bei denen es keine tödlich Verletzten zu beklagen gab.“ Im Vorjahr waren es noch 14 Unfälle. „Das lässt den Schluss zu, dass es sich um äußerst sichere Fahrzeuge handelt“, sagte Freitag.


Steuern nur in hohen Höhen möglich

Rudi Molkentin, Geschäftsführer des Rostocker Ballonfahrt-Anbieters Ostsee-Ballooning, beschwichtigt ebenfalls. „Was sich im Juli ereignet hat, kann schon mal passieren und ist im Vergleich zu dem, was in der Luftfahrt passieren könnte, nicht weiter dramatisch“, sagte der Unternehmer. Augenscheinlich war es sein Ballon, der beinahe verunglückte. „Der Pilot hat nasse Füße gekriegt aber mehr auch nicht“, ergänzte der Betreiber, der zum weiteren Geschehen keine Stellung beziehen wollte.

Auch Mandy Kunkel, Inhaberin der Mecklenburger Ballonfahrten, dem größten Anbieter Mecklenburg-Vorpommerns, versteht die Sorge nicht. Kunkel, die selbst seit 2006 im Himmel über Mecklenburg unterwegs ist, sagte: „Betrachten wir die Unfallbilanzen in der zivilen Luftfahrt genau, wird man schnell sehen, dass der Heißluftballon eines der sichersten Flugfahrzeuge ist.“ Und: „Da ein Steuern des Ballons mitunter jedoch nur in der Höhe möglich ist, kann es für den Laien wie ein Unfall aussehen, wenn wir beispielsweise auf einem Feld zu Boden gehen müssen oder ein sanfter Aufsetzer auf der Warnow unvermeidbar scheint“, so die Pilotin.

Wer mit dem Gedanken spielt, den Ballonkorb einmal selbst entlang der Küsten des Nordostens zu steuern, sollte finanziell gut aufgestellt sein. Etwa 80 000 Euro kostet ein Heißluftballon, der dann bis zu zwölf Personen transportieren kann - Pilotenlizenz und Flugunterricht nicht mit eingerechnet, so Mandy Kunkel.

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