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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. November 2017 | 20:42 Uhr

Gedenken an Turgut soll lebendig sein

vom

svz.de von
erstellt am 03.Feb.2013 | 06:39 Uhr

rostock | Der Todestag des türkischen Imbissverkäufers Mehmet Turgut jährt sich am 25. Februar schon zum neunten Mal. Die rechten Hintergründe des Mordes an ihm sind seit einem Jahr bekannt, dennoch liegt bis heute vieles im Ungewissen. Welche Unterstützung hatten die Mörder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Mecklenburg-Vorpommern? Welche gravierenden Fehler sind auf Seiten der Behörden passiert? Braucht auch unser Bundesland einen eigenen Untersuchungsausschuss? Und vor allem: Wie kann ein würdevolles Gedenken an Mehmet Turgut in Rostock aussehen?

Am Sonnabend haben sich dazu Vertreter aus der Politik, von verschiedenen Initiativen und Vereinen im Peter-Weiss-Haus zu einer Podiumsdiskussion getroffen. Dass es ein Gedenken an Turgut geben soll, steht in der Hansestadt außer Frage - das hatte die Bürgerschaft im vergangenen Jahr beschlossen. Aber wie es genau aussehen soll, ist noch nicht klar. Torsten Sohn von der Initiative "Bunt statt braun" und Mitglied in der Arbeitsgruppe, die sich um das Gedenken an Lichtenhagen und Turgut kümmert, weiß, dass es wahrscheinlich zwei Gedenkorte geben wird. "Es werden wohl in Toitenwinkel und auch im Rathaus Gedenkorte entstehen", so Sohn.

Hikmat Al-Sabty (Linke), Mitglied des Landtages und des Migrantenrats, begrüßt diese Ideen. Wichtig sei aber vor allem, dass überhaupt an Turgut gedacht werde. "Es ist noch immer ein latenter Rassismus innerhalb der Behörden und der Stadt zu spüren. Wir haben es in den vergangenen zehn Jahren nicht geschafft, diesen Rassismus abzubauen." Zudem würde es ihn sehr ärgern, dass auch Vertreter der Stadt eingeladen waren, aber an dieser Diskussion nicht teilnehmen wollten.

Die zweite wichtige Frage des Abends war, ob es sinnvoll sei, einen Untersuchungsausschuss für MV einzuberufen. Der Rostocker Johannes Saalfeld, für die Grünen im Landtag, brachte es auf den Punkt: "Zwar wäre es gut, wenn die Öffentlichkeit nochmal Einsicht dahingehend bekommt, was bei den mecklenburgischen Behörden falsch lief, aber der Einsatz eines Untersuchungsausschusses würde auch bedeuten, dass Mitglieder aller Fraktionen beteiligt wären - also auch jemand von der NPD", erklärt Saalfeld. Wahrscheinlich wäre dies dann der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD, David Petereit - und ob der Untersuchungsausschuss mit einem NPD-Mitglied sinnvoll wäre, wage er zu bezweifeln. Auch Al-Sabty hegt seine Zweifel an einem solchen Ausschuss: "Wir brauchen einen Untersuchungsausschuss, aber auf einen Bericht von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kann ich mich nicht verlassen, weil er genau weiß, dass dann viele, zu viele Köpfe rollen werden."

Der Tenor des Abends war klar: Wichtig sei nicht, wie an Mehmet Turgut und an Lichtenhagen gedacht werden soll. Entscheidend sei, dass es überhaupt passiert und dass damit nicht mehr allzu lange gewartet wird. Der Groschen müsse fallen.

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